30. November 2010

Dynamische Raumskulptur - MAXXI in Rom

Auf dem Areal ehemaliger Militärbaracken am Nordrand der Innenstadt, zwischen Tiberschleife, Wohngebiet und Lagerhallen, fällt der lichtgraue Baukörper des MAXXI schon von Weitem ins Auge. Seine geschwungenen, sich überlagernden Formen brechen aus dem orthogonalen städtebaulichen Raster aus und ziehen die Besucher fast magisch an.

Mit seiner expressiven Formensprache bricht der Baukörper des MAXXI aus dem orthogonalen städtebaulichen Raster aus. Der Bezug zum Quartier bleibt durch die moderate Höhenentwicklung jedoch erhalten [Bild: Zumtobel Lighting GmbH]

Das sanfte Licht strahlt nicht nur nach unten, sondern diffundiert durch die Gitteroste der Stufen und Stege auch nach oben [Bild: Zumtobel Lighting GmbH]

Verdeckt in den Handläufen angeordnete Lichtbänder begleiten als indirekte Beleuchtung die Treppen [Bild: Zumtobel Lighting GmbH]

Engbündelnde Spots inszenieren die Skulpturen und hauchen ihnen durch das Spiel aus Licht und Schatten Leben ein [Bild: Zumtobel Lighting GmbH]

Die ungewöhnliche Untersicht der parallelen Dachträger charakterisiert die Säle. Sie wirken mehr wie Lofts denn wie museale Räume. Das klare Licht der Leuchtstofflampen unterstreicht diesen Charakter [Bild: Zumtobel Lighting GmbH]

Die Beleuchtung ist als durchgehendes Lichtband in die Decke integriert und dient auch zur gleichmäßigen Ausleuchtung der Wände [Bild: Zumtobel Lighting GmbH]

In die komplexen Lichtdecken sind alle technischen Elemente integriert. Hinter dem lichtstreuenden transluzenten Acrylglas liegen Lichtbänder mit dimmbaren Leuchtstofflampen für die Allgemeinbeleuchtung. Spots sorgen für eine zusätzliche Akzentbeleuchtung [Bild: Zumtobel Lighting GmbH]

Wie eine große Skulptur mit nuancenreichem Licht- und Schattenspiel wirkt das Sichtbetongebäude auf dem weiten Vorplatz. Durch Einschnitte und Durchblicke zeichnet das Sonnenlicht helle Muster, Schattenlinien wandern über die Platzfläche, Innen und Außen sind auf subtile Weise verknüpft. Als Vordächer leiten die auskragenden Baukörper den Besucher in das Foyer, eine gebäudehohe Halle, durchzogen von sich kreuzenden Treppen und Stegen – ein Piranesi-hafter Raum aus hellem Beton und schwarzem Stahl. Die dynamische Treppenskulptur verbindet nicht nur die fünf Ausstellungsebenen, sondern inszeniert auch den Bewegungsfluss durch die „vertikale Piazza“.



Natürliches Licht flutet vom Glasdach bis zum Boden, fein austariert von einer speziell entwickelten Lichtdecke, in die auch eine indirekte, bei Bedarf zuschaltbare Beleuchtung aus Leuchtstofflampen integriert ist. Dieses kombinierte System sorgt für eine homogene Grundbeleuchtung. Daneben setzen die Architekten Kunstlicht bewusst als Gestaltungsmittel ein: „In der Halle haben wir das Licht inszeniert. Alle Leuchten sind in die architektonischen Elemente integriert, sie betonen als lineare Strukturen die Dynamik der Wegeführung“,  erläutert der Projektarchitekt Gianluca Racana das Konzept. Gleichsam selbst zum Lichtträger werden so die Treppen und Stege, die sich an die Wände schmiegen oder frei und luftig durch den Raum spannen. Wie Leuchtkästen wirken ihre transluzent schimmernden Unterseiten, die mit Leuchtstofflampen hinter lichtstreuender Folie und Acrylglas bestückt sind.

In den Ausstellungssälen setzen sich die Großzügigkeit der Eingangshalle, ihre fließenden Linien und räumliche Dynamik fort. Mit geraden, gebogenen, geneigten Wänden, mit Gängen, Rampen und Terrassen entwickeln sich die Raumfolgen so überraschend wie vielschichtig. Manche Galeriebereiche sind introvertiert, andere öffnen sich mit wandgroßen Glasflächen nach außen. Die Säle verlaufen parallel, kreuzen sich, verschränken sich, bilden kaskadenartige Ebenen, mäandern in verschiedene Richtungen weiter, um dann wieder aufeinanderzutreffen. Als Besucher lässt man sich gerne durch dieses fließende Raumkontinuum treiben, driftet entspannt durch die großzügige Ausstellungslandschaft. Anstelle klassischer Kabinette bieten sich den Kuratoren vielfältig bespielbare Flächen, insgesamt 10 000 m2 für zeitgenössische Kunstwerke unterschiedlichster Medien. Zaha Hadids komplexe Raumkomposition hinterfragt die Idee traditioneller Ausstellungsräume und die Neutralität des „white cube“. Stattdessen ermöglicht das MAXXI, Kunst im Dialog mit der Architektur auf eine neue Art  zu inszenieren und zu erleben, mit reizvollen Querbezügen und Assoziationen.

Entsprechend differenziert ist das Lichtkonzept. Die Hauptrolle spielt, wie in der Treppenhalle, das natürliche Licht, das die fast atelierähnliche Atmosphäre der Oberlichtsäle prägt. „Wir wollten so viel natürliches Licht wie möglich zur Verfügung stellen, da auch die meisten Kunstwerke unter Tageslichtbedingungen entstehen, und so Farben und Oberflächen naturgetreu wahrgenommen werden. Zugleich war es uns wichtig, mit Kunstlicht optimale Bedingungen zu schaffen“, so Gianluca Racana. Dafür sorgen die komplexen Lichtdecken. In die schmalen Dachträger – mit Betonelementen verkleidete Stahlfachwerkträger – sind alle technischen Elemente integriert: sie tragen die außen liegenden Gitterroste, die als Sonnenschutz und zur Lichtstreuung dienen, die beiden Glasebenen und die Verdunkelungsrollos. Auf beiden Seiten der Rippenträger sind über die gesamte Länge dimmbare Leuchtstofflampen hinter lichtstreuendem transluzentem Acrylglas eingebaut, die für eine gleichmäßige Allgemeinbeleuchtung sorgen. Lamellen aus Aluminium dienen als Sonnenblenden, je nach Sonnenstand und gewünschter Beleuchtungssituation reguliert von dem intelligenten Lichtmanagementsystem Luxmate Litenet, das auch die Lichtleistung der Leuchten steuert. So ist gewährleistet, dass, in Abhängigkeit vom Tageslicht, die Mischung aus natürlichem und künstlichem Licht optimal angepasst werden kann. An dem in der Trägerunterseite integrierten Schienensystem können weitere Strahler für die Akzentbeleuchtung, aber auch Beamer und leichte Trennwände montiert werden.

Auch im Außenraum ist die Lichtgestaltung detailgenau auf die Architektur abgestimmt. Die atmosphärische Beleuchtung hebt das MAXXI zum einen als neuen Stadtbaustein hervor, zum anderen betont die Lichtführung die Vernetzung mit dem bestehenden Quartier.




 
 

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