12. September 2014

Blendfreies Licht für die King Fahad National Library

Wie bewährte Bausubstanz und neue Elemente sich scheinbar symbiotisch ergänzen, zeigt sich an der King Fahad National Library in Riad im Königreich Saudi-Arabien. Hier, in der Hauptstadt des Landes, die reich an moderner Architektur ist, entstand aus einem Gebäude aus den 70er-Jahren unter Einsatz moderner Architektur-Materialien ein städtebauliches Wahrzeichen, das sich gekonnt in das arabisch geprägte Stadtbild einfügt.

Wie in den großzügigen Stadtpark Olaya hineingestickt scheint das grazile Gebäude, wie es sich nach knapp dreijähriger Bauzeit heute offen und transparent präsentiert [Bild: Sefar AG]

Außergewöhnliche Montagebedingungen: Bevor das Gebäude «dicht» war, wurden mit dem eigens dafür entwickelten Sefar-System Lightceiling 16.000 m2 lichttechnisches Gewebe SEFAR Architecture
IL-80-OP montiert [Bild: Sefar AG]

Außergewöhnliche Montagebedingungen: Bevor das Gebäude «dicht» war, wurden mit dem eigens dafür entwickelten Sefar-System Lightceiling 16.000 m2 lichttechnisches Gewebe SEFAR Architecture
IL-80-OP montiert [Bild: Sefar AG]

Besondere Herausforderung bei der Installation der Membrane. Staubfrei – wie üblich - zu arbeiten, ist in einer von Wüste umgebenen Stadt wie Riad schlichtweg unmöglich. So wurde die Membrankonstruktion installiert, bevor das Gebäude «dicht» war, und erst anschließend gereinigt [Bild: Sefar AG]

Blendfreies Licht und optimale Akustik - Die mit dem neuen Sefar-System Lightceiling verbaute Membran aus SEFAR Architecture IL-80-OP Lichttechnischem Gewebe filtert das durch lang gezogene Oberlichter dringende Tageslicht und gibt allen Räumen gleichmäßiges, blendfreies Licht [Bild: Christian Richters Photography]

Projektdirektor Thomas Lücking, leitender Architekt für die King Fahad National Library in Riad, Gerber Architekten Dortmund [Bild: Gerber Architekten]

Tradition und Fortschritt gleichermaßen kennzeichnen das moderne Leben in Saudi-Arabien. So erkannten die Architekten von Gerber International Berlin den vorhandenen Gebäudekomplex als schützenswert, wollten ihm jedoch die monumentale Strenge nehmen und den Exponaten deutlich mehr Raum und Licht geben. Außen umhüllt nun ein quadratischer Neubau in einer scheinbar schwebenden und zugleich geometrischen Ordnung die Bibliothek.



Die neue Lösung ergänzt den Altbau, der nach Kriterien des Denkmalschutzes erhalten wurde, um einen kubischen Ring. Entstanden ist damit eine optische Einheit, bei der das vorhandene flache Dach des ursprünglichen Gebäudes zum Lesesaal wurde und sich in dessen Innerem – wie in einer «Schatztruhe» – die Büchermagazine befinden. Haupteingangshalle, Ausstellungsflächen, ein Restaurant und eine Buchhandlung sind im Erdgeschoss rund um den Altbau angeordnet. Über Brücken erreichen die Besucher vom Lesesaal den Freihandbereich im dritten Obergeschoss des Neubaus. Die Bibliothek der Frauen ist, von den übrigen Nutzungen getrennt und separat zugänglich, im ersten Obergeschoss des neuen Südwestflügels untergebracht. Eine vorhandene Kuppel wurde zur Stahl-Glas-Konstruktion umgestaltet und überragt mit einem integrierten Dach sämtliche Innenhöfe und den Lesesaal.

Gewebe-Entscheidung für Membranlösung fiel auf Sefar
Die Empfehlung des Projektdirektors und leitenden Architekten vor Ort, Thomas Lücking, war ein Raumeindruck, der das typische städtische Leben im Inneren widerspiegelt. Bei der Suche nach dem bestgeeigneten Gewebe für die Deckenlösung fiel die Wahl auf Sefar.

Projektdirektor Thomas Lücking, leitender Architekt für die King Fahad National Library in Riad (Gerber Architekten Dortmund) dazu: „Uns war sehr wichtig, dass der städtische Charakter – also der eines städtischen Außenraums – auch innerhalb der Bibliothek erlebbar ist. Wir brauchten hierzu einen „Himmel“ über diesem Bereich. Keinesfalls eine Decke, die lastet und schwer wirkt. Und da ist eine von Tageslicht durchleuchtete bzw. nachts mit Kunstlicht hinterleuchtete Decke eine schöne Möglichkeit, Leichtigkeit zu schaffen – sodass man in den Raum hineinkommt, dieser sich nach oben öffnet und damit nichts Lastendes hat. Gesucht war ein Material, das sich zur Realisierung einer homogenen, hellen, lichtdurchlässigen Fläche eignet – ohne Kleinteiligkeit durch viele Paneele und Fugen. Wir wollten, dass alles, was sich über der Membran befindet, nicht sichtbar ist. Also war eine sehr hohe Transluzenz bei gleichzeitig sehr geringer Transparenz und großen Feldgrößen gefragt. Das war zu schaffen, indem die 1,60 m breiten Gewebebahnen mit sehr feinen, wenig auffälligen Nähten verbunden und damit Panelgrößen von 10 x 25 m realisierbar wurden.“

Die hohen architektonischen Anforderungen und die außergewöhnlich herausfordernden Montagebedingungen vor Ort veranlassten Sefar in Zusammenarbeit mit ArtEngineering ein vollkommen neues Montage- und Spannsystem zu entwickeln.

Blendfreies Licht und optimale Akustik

Heute spannt sich die Membran aus SEFAR Architecture IL-80-OP Lichttechnischem Gewebe, verbaut mit dem eigens dafür entwickelten SEFAR Architecture Lightceiling System mit rund 16000 m² unter dem gesamten Dach und überspannt so den von Gerber Architekten International GmbH, Berlin, Deutschland, realisierten Neubau sowie den Altbau und die dazwischen liegenden Höfe. Die unterhalb des Daches gespannte weiße Membran filtert das durch lang gezogene Oberlichter dringende Tageslicht und versorgt alle Räume gleichmäßig mit blendfreiem Licht.

Der am Projekt beteiligte Akustiker erkannte den aus optischen Gründen gewählten Gewebetyp gleichzeitig als idealen Schallschutz: Vergleichbar einem Trommelfell, stellt das Gewebe eine geschlossene Haut dar; dadurch gelangt nur wenig Schall nach unten – und der Schall über der Membran wird von der mit Mineralwolle und gelochten Trapezblechen gedämmten Decke abgefangen.
Bei Dunkelheit übernehmen Leuchten oberhalb der als Lichtdecke dienenden Membran die Funktion der Oberlichter und lassen die Fassade in wechselnden Farben erstrahlen.

Eine besondere Herausforderung lag in der Installation der Membranen. Staubfrei – wie üblich - zu arbeiten, ist in einer von Wüste umgebenen Stadt wie Riad schlichtweg unmöglich. So wurde die Membrankonstruktion installiert, bevor das Gebäude «dicht» war, und erst anschließend gereinigt. Obwohl die Arbeiten „über Kopf“ stattfinden mussten, hat sich die neue Technik bereits im ersten Großprojekt sowohl was den Anspruch an Qualität als auch das Montagehandling betrifft hervorragend bewährt.




 
 

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