11. März 2011

Das Domforum Köln in neuem Licht

Das Informations-, Begegnungs- und Veranstaltungszentrum der katholischen Kirche liegt an prominenter Stelle. Direkt gegenüber dem Dom präsentiert es sich nach umfassender Renovierung und Umgestaltung durch das Büro Martini Architekten mit besonderer Raum- und Lichtqualität. Den Planern des Büros Licht Kunst Licht Bonn gelang dabei eine funktional als auch atmosphärisch stringente Ausleuchtung der neuen Räume.

[Bild: Constantin Meyer, Köln]

[Bild: Constantin Meyer, Köln]

[Bild: Constantin Meyer, Köln]

[Bild: Constantin Meyer, Köln]

[Bild: Constantin Meyer, Köln]

[Bild: Constantin Meyer, Köln]

[Bild: Constantin Meyer, Köln]

[Bild: Constantin Meyer, Köln]

[Bild: Constantin Meyer, Köln]

[Bild: Constantin Meyer, Köln]

[Bild: Constantin Meyer, Köln]

[Bild: Constantin Meyer, Köln]

„Licht befördert den Glauben!“ bekannte schon vor über 800 Jahren der französische Abt von St. Denis, Suger, einer der ersten Architekturtheoretiker des frühen Mittelalters. Das gilt bis heute – doch die Bedingungen dafür sind komplexer und vielschichtiger geworden. In einer Welt überbordender visueller Ablenkungen sind Ruheorte mit der Möglichkeit zu innerer Besinnung oder gar religiöser Einkehr nicht immer leicht herzustellen. Das renovierte Domforum Köln ist als Besucherzentrum des Domes das Foyer der meistbesuchten Kirche Deutschlands und hierfür ein gelungenes Beispiel. Es zeigt nachdrücklich, dass es auch heute noch erfolgreich gelingt, Orten des Glaubens mit Mitteln der Raum- und Lichtgestaltung einen zeitgemäßen Ausdruck zu verleihen.



Empfangsraum für den Dom – Schnittstelle für Begegnung und Einkehr
Foyergestaltung ist selten eine leichte Aufgabe. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um Räume im Vorfeld religiöser Einkehr und Besinnung handelt: Orte, die wie das Domforum die Möglichkeiten zu pastoralem Handeln und Information zeitgemäß zugänglich machen wollen. Erzbischof Joachim Kardinal Meisner sieht das Domforum deshalb als eine Art Schnittstelle, als ein  „Menschenhaus“ mit Ankerfunktion – in dem „Rede und Antwort“ nicht nur in Fragen des Glaubens gesucht und gefunden werden können.

Im Kölner Domforum werden Pilger empfangen, Besichtigungen des Doms organisiert und Informationen an Besucher und Gruppen vermittelt. Zugleich soll aber auch seelsorgerische Betreuung individuell oder in Gruppen ermöglicht werden. Das Domforum fungiert darüber hinaus als Veranstaltungsort mit einem vielfältigen, kirchlich und gesellschaftlich relevanten Programm, das unterschiedlichste Formen und Inhalte (religiöse Impulse und Begegnungen, Podiumsdiskussionen, religiöse Bildungs- und Kulturveranstaltungen) umfasst. Innerhalb der letzten 15 Jahre zählte die Begegnungsstätte mehr als 5 Millionen Besucher und über 6000 Veranstaltungen – Tendenz steigend.

Transparenz und Offenheit
Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, in dem sich heute das Domforum befindet, wurde zwischen 1951 und 1954 von Fritz Schaller (1904-2002) für die Bank für Gemeinwirtschaft gebaut und 1995/1996 von seinem Sohn Christian Schaller zum Informations- und Begegnungszentrum der katholischen Kirche umgebaut. Wachsende Raumnot, haus- und bautechnische Mängel und insbesondere die Vielzahl neuer Nutzungsvarianten waren der Anlass für den Wettbewerb zur Neustrukturierung des Domforums, aus dem der Entwurf von Martini Architekten als Sieger hervorging.

Nach dreimonatiger Renovierung hat das Domforum Ende September 2010 seine Pforten wiedereröffnet. Es galt, einen öffentlich zugänglichen Raum mit einer Atmosphäre offener Transparenz zu schaffen. Ziel war außerdem ein harmonischer und respektvoller Umgang mit dem historischen Bestand unter Berücksichtigung der gewachsenen Nutzungsanforderungen des Domforums. Als Hauptaufgabe sah das Architektenteam des Bonner Büros Martini, die Räume mehr der Außenwelt zu öffnen, ohne dabei die religiöse Einbindung zu verleugnen. Das neue Innenraumkonzept sollte außerdem die baulich vorhandenen Qualitäten der Fassade wieder stärker hervorheben. Das neue Domforum ist deshalb als eine multifunktionale Begegnungsstätte mit einem erst auf den zweiten Blick identifizierbaren sakralen Hintergrund konzipiert.

Die dreiseitig voll verglasten Fassadenteile bieten vielfältige Durch-, Ein- und Ausblicke und vermitteln zwischen einem weiten, durch natürliche Helligkeit geprägten Innenraum und der Außenwelt der vorgelagerten Domplatte. Es gelingt nun, von außerhalb den gesamten Raum mit einem Blick zu erfassen. Der Innenraum wirkt trotz seiner Höhe eher weit als hoch und leicht überschaubar. Die Gestaltung der einzelnen raumbildenden Elemente wurde bewusst zurückhaltend gewählt; dominierend ist dabei die Farbe Weiß. Die in Grau gehaltenen Stahlbetonunterzüge und Stützen strukturieren den Raum. Dies schafft den notwendigen neutralen Hintergrund eines offenen, hellen Raumes, der Bühne, Zuschauer- und Aufenthaltsraum zugleich sein soll. Einzig ein stilisiertes Kreuzmotiv setzt sich durch seine Naturholzoberfläche vom restlichen Fugenbild ab und erinnert den Besucher an die sakrale Zuordnung des Ortes. 

Multifunktion in der Raumgliederung und Bestuhlung

Die Innenraumgestaltung umfasst drei Hauptelemente: Theke, Multifunktionswandschrank und Beratungsinsel. Als ein fest installiertes Möbel steht die neue Theke frei im Raum. Ihre geschwungene Form bildet die zentrale Anlaufstelle für die Besucher des Domforums; sie ist unterteilt in einen Informations- und Beratungsbereich und einen Bereich, an dem Gruppenführungen koordiniert werden. Das Möbel wurde aus Corian gefertigt und präsentiert sich als eine raumbildende Skulptur mit fugenloser Oberfläche.

Weiteres charakteristisches Element der Innenraumgestaltung ist ein zentrales Wandelement hinter der Theke, das vielfältige Funktionen einschließt. Das Wandmodul integriert ein Stuhllager mit Aufzugssystem, den Küchenbereich, einen PC-Arbeitsplatz mit Kopierer sowie die Garderobe und bietet weiterhin Lagermöglichkeiten für Informationsmaterial und Literatur. Das Wandelement ermöglicht die gewünschte Freistellung des Foyers und schafft damit eine Zonierung und Neustrukturierung des Arbeitsbereiches hinter der Theke. Der baulich vorhandene Durchgang zum Treppenhaus blieb erhalten und wurde ebenfalls in die Gestaltung des Wandmoduls integriert. An der Westseite des Forums hinter der Haupttheke befindet sich die Beratungsinsel. Sie schafft für die Seelsorgearbeit des Foyerteams einen nicht einsehbaren, akustisch geschützten Bereich. Bei Veranstaltungen mit sowohl frontaler Präsentation als auch dezentraler Anordnung kann der Raum entsprechend bestuhlt werden. Die Tagesmöblierung des Forums in Form geschwungener Sitzinseln greift ebenso wie die Stühle für die Abendveranstaltungen das Material Nussbaum auf.

Im Zuge der Umgestaltung erfuhr die unmittelbare Eingangszone ebenfalls eine Neuerung. Für das Vorfoyer wurde ein separates Möbel entworfen, welches die vielfältige Prospektauslage inklusive Stauraum beinhaltet und damit einen Überblick über das Angebot ermöglicht.

Funktionale Beleuchtung –  atmosphärisches Licht
Der Idee des Beleuchtungskonzepts liegt die Anforderung eines breiten Nutzungsprofils zugrunde: Im Forum finden neben temporären Ausstellungen auch Podiumsdiskussionen, Musik- und Theateraufführungen sowie Vorträge statt. Die klare, reduzierte Architektursprache des Raumes sollte dabei dennoch unterstützt werden. Es galt also, ein Leuchtenelement zu verwenden, welches sowohl die Aufgabe der Grund- als auch einer Akzentbeleuchtung erfüllt und dabei auf vorhandene Strukturen der Architektur reagiert. So wurde das diagonal verlaufende Fugenbild des Bodens, das sich in den Außenraum auf der Domplatte weiter fortsetzt, in der Anordnung der Deckenleuchten aufgegriffen.

Die eigens hierfür entworfene, super-elliptische Deckenleuchte übernimmt dabei zwei Aufgaben: Eine diffus abstrahlende, unterseitige Acryl-Satiné-Abdeckung, begrenzt von einer umlaufenden Schattenfuge, bildet mit der Decke eine Fläche. Diese Abdeckung ist mit zwei zylindrischen Ausnehmungen versehen, welche die beiden justierbaren Richtstrahler als Direktkomponente aufnehmen. So bleiben die Direktstrahler dem Betrachter aus der Mehrzahl der Blickwinkel verborgen.

Um unterschiedliche Beleuchtungsszenarien zu realisieren, können die beiden Leuchtenanteile getrennt geschaltet und gedimmt werden. Die diffuse Beleuchtung erfolgt über zwei T16 24W Leuchtstofflampen in warmweißer Lichtfarbe. Korrespondierend dazu wird das direkte Licht mit QR111 60W IRC Niedervolt-Halogenlampen gewährleistet. Optimierter Wirkungsgrad und hochwertige Lichtqualität zeichnen die Auswahl der Leuchtmittel aus.

Die Corian-Theke mit ihrer expressiven Formensprache stellt das zentrale, raumprägende Gestaltungselement dar und wird durch die darüber angebrachten Richtstrahler deutlich hervorgehoben. Die Ausstellungsmöbel und frei im Raum platzierten Sitzinseln können durch die justierbaren Strahler flexibel bedient werden. Das diffuse Licht gewährleistet eine flächendeckende Ausleuchtung der Bühne. In Abstimmung mit dem Medienplaner sind kopfbewegte LED-Scheinwerfer im Deckenfeld dieses Bereiches untergebracht, so dass Veranstaltungen mit dynamischem und farbigem Licht begleitet werden können.

Tagsüber ergibt sich ein gleichmäßig ausgeleuchteter, freundlicher Raum, der zum Verweilen einlädt. Bei einsetzender Dunkelheit kehrt sich das äußere Erscheinungsbild um, das Foyer beginnt aus sich selbst heraus zu leuchten und zieht so die Aufmerksamkeit auf sich. Die Steuerung des Lichts erfolgt über ein in der Haupttheke integriertes Bedienfeld. Je nach Bedarf können die voreingestellten Szenen individuell nachträglich verändert werden.




 
 

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