09. März 2011

Inszenierung konstruktiver Gestalt

Bahnhaltestellen werden in vielen Städten nach wie vor als schlicht funktionale Notwendigkeiten verstanden. Verkannt wird damit ihre ebenso stadtgestalterische wie Orientierung und Identität stiftende Bedeutung - und dies umso mehr, wenn sie sich an viel besuchten Orten befinden.

Bei der neuen Stadtbahnhaltestelle am Kölner Zoo von Rübsamen + Partner gehen Konstruktion und sorgfältige Illumination Hand in Hand [Bild: Lukas Roth, Köln]

Architektur und Licht ergänzen sich zur Inszenierung der Konstruktion selbst; das Verkehrsbauwerk gewinnt Zeichenhaftigkeit und ortsprägende Funktion [Bild: Lukas Roth, Köln]

Sämtliche Elemente fügen sich in ein Konzept, das die Beleuchtung als genuinen Teil des Gesamtentwurfs versteht [Bild: Lukas Roth, Köln]

Für die wichtige neue Stadtbahnhaltestelle am Kölner Zoo realisierten die Bochumer Architekten Rübsamen + Partner einen Entwurf, bei dem sich zwei grundlegende Elemente - ein geschwungenes Brückenbauwerk und ein ebenfalls gekurvtes Dach - mit einer sanften Illumination verbinden. Architektur und Licht ergänzen sich zur Inszenierung der Konstruktion selbst; das Verkehrsbauwerk gewinnt Zeichenhaftigkeit und ortsprägende Funktion.



Funktionalität und logische Figur
Obwohl der Zoo nach dem Dom Kölns zweitgrößten Besuchermagneten darstellt, war die Haltestelle für Zoo und Botanischen Garten - überirdisch gelegen vor dem Abtauchen der Bahn Richtung Dom - bisher nicht einmal barrierefrei ausgebaut, die bauliche Substanz darüber hinaus veraltet. Basierend auf einem Konzept der Stadt Köln zur barrierefreien Erschließung entwickelte Rübsamen + Partner daher einen Neubau, der hohe Funktionalität mit einer markanten konstruktiven und durch nächtliche Illumination unterstrichenen Gestaltung verknüpft. Grundlegend war eine ganzheitliche formale Setzung, die ein neues Brückenbauwerk und die Bahnsteige als architektonische Einheit definiert. Der klaren Geste des frei über die Gleise schwingenden Bahnsteigdaches steht als Entsprechung die ebenfalls kurvenförmig geführte Überbrückung der Gleise gegenüber. Ein maßgebliches Kriterium für den Entwurf war, dass somit auf zusätzlichen technischen Aufwand wie etwa Aufzug oder Fahrtreppe verzichtet werden konnte.

Integriertes Lichtkonzept

Die durchgehende Logik des Entwurfs wird mit Einbrechen der Dunkelheit von einer Lichtinszenierung unterstrichen, die gleichsam aus der Konstruktion selbst hervorzugehen scheint und diese zum Merkmal des neugeschaffenen Bauwerks macht. Die Beleuchtung der Bahnsteige im Bereich des Daches erfolgt dabei direkt über im Dachrand integrierte Profillichtleisten und indirekt über die Beleuchtung des Dachinnenraumes, so dass die Struktur und Dreidimensionalität des Tragwerks betont wird. Hinzu tritt die Beleuchtung der übrigen Bahnsteigbereiche mit Hilfe von Mastleuchten, die sich schlüssig vertikal aus der Geländerkonstruktion entwickeln, während zur Beleuchtung der Brückenrampe geländerintegrierte Rohrleuchten dienen. Sämtliche Elemente fügen sich damit in ein Konzept, das die Beleuchtung als genuinen Teil des Gesamtentwurfs versteht.

Städtischer Ort
Die große Form und die rationale Sprache, die sich bis in Details wie Geländer, Tragwerk und Beleuchtung fortsetzt, verleihen der Haltestelle einen klaren und selbstverständlichen Zeichencharakter, der der funktionalen und Orientierung bietenden Bedeutung des neuen Bauwerks entspricht. Zugleich reagiert der Entwurf damit auf die Tatsache, dass das Bauwerk aus den umliegenden Bauten und von der nahen Zoobrücke auch von oben sichtbar ist. Der Neubau markiert so nicht nur ein Stück verkehrstechnischer Infrastruktur, sondern als Ankunftspunkt an Zoo und Flora innerhalb des städtebaulich schwierigen Kontexts einen städtischen Ort.




 
 

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