Die Umsetzung erfolgte unter der Leitung von Studio Sangath. Das Beleuchtungskonzept von Licht Kunst Licht ist dabei wesentlicher Bestandteil der Erzählung und nutzt das Licht als Medium für Introspektion, Führung und Resonanz.
Im Laufe der Jahrzehnte hat sich der Vitra Campus von einem Industriegelände zu einem öffentlichen Park entwickelt, der jährlich mehr als 400.000 Besucher anzieht. Mit der Einweihung des Doshi Retreats erhält das Gelände eine kontemplative Ergänzung – einen Rückzugsort für Ruhe und Erholung.
Von Anfang an war das Beleuchtungskonzept auf Zurückhaltung ausgerichtet. Tagsüber fügt sich das Refugium ruhig in die Landschaft ein, nachts offenbart es sich nur durch einen sanften, fast unmerklichen warmen Schein. Die subtile Beleuchtung verleiht dem Ort eine ruhige und dennoch ikonische Präsenz – ohne die Umgebung zu dominieren, weckt er stets die Neugier der Besucher.
Das Doshi Retreat präsentiert sich als gewundener Pfad und lädt gleichermaßen zu physischen und gedanklichen Erkundungen ein. Während man sich entlang der Route bewegt, die unterirdisch verläuft und an Wänden entlangführt, die mit den sanften Klängen von Gong und Flöte mitschwingen, wächst stetig das Gefühl von Wandel und Veränderung.
Die Besucher werden behutsam durch verdeckt platzierte Lichtlinien, die in unregelmäßigem Rhythmus angeordnet sind, in Richtung Gongraum hinabgeführt. An den sieben Knotenpunkten, die symbolisch für die Chakren stehen, verjüngen und verbreitern sich Boomerang-förmige, in den Boden eingelassene Details, die den Bewegungsrhythmus bestimmen und das Erlebnis der Erkundung vertiefen. Die 2.200 K-Beleuchtung harmoniert mit der Wärme des Cortenstahls und entwickelt einen sanften bernsteinfarbenen Schimmer, der das an die Dunkelheit gewöhnte Auge entspannt. Die Lichtbänder sorgen für eine angenehme Orientierung ohne visuelle Ablenkung und ermöglichen dem Besucher dadurch seine vollständige Konzentration auf Einkehr und Besinnung.
Die Reise endet im Gongraum, wo Licht und Klang zusammenfinden. Ein linearer Lichtschein umrandet den kreisförmigen Rand der Kammer, während unsichtbar platzierte Projektoren den Raum beleuchten. Die Besucher nehmen nur ein geheimnisvolles Leuchten wahr, das von einer Messingdecke reflektiert wird, die im Einklang mit dem meditativen Ton des Gongs schimmert. Gleichzeitig umschließt die Decke die Kammer nur teilweise und lässt Licht, Luft und Niederschlag herein. Die Beleuchtung geht hier weit über ihre funktionale Rolle hinaus und wird zu einem Instrument der Selbstreflexion und Transzendenz.
Als sinnbildhafte Wächter des Retreats stehen drei Obstbäume in der unmittelbaren Umgebung, die sanft von unten beleuchtet werden. Dies sind die einzigen vertikalen Lichtakzente in der unmittelbaren Umgebung. Ihre Beleuchtung ist symbolisch und zurückhaltend gestaltet.
Das Beleuchtungskonzept des Doshi Retreats fördert einerseits das Erlebnis der Stille und Besinnlichkeit für die Besucher. Andererseits zeigt sie symbolisch, dass Feinsinn und Subtilität genauso wirkungsvoll sein können wie Spektakel und Dramatik. Funktional sorgt das Licht für Klarheit und Sicherheit, ohne dabei die Atmosphäre zu beeinträchtigen.
Das Doshi Retreat ist damit ein Beispiel für eine Art der Architekturbeleuchtung, die auf Bescheidenheit, Tiefe und Narrativität basiert – wo Dunkelheit und die Abwesenheit des Lichts ebenso bedeutend sind wie die Beleuchtung selbst. Räume werden auf diese Weise zu einem Instrument der Zurückgezogenheit und Kontemplation und können die Wahrnehmung von Unsichtbarem wecken.
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