18. April 2011

Rückkehr, Aufbruch und Einkehr

An historischem Standort im Essener Krupp-Gürtel hat der ThyssenKrupp-Konzern seine neue Unternehmenszentrale gebaut. Nahezu die Hälfte der für den Bau eingesetzten Werkstoffe und Produkte stammt vom Bauherrn selbst. Die Leichtigkeit der in einer Parklandschaft gruppierten Gebäude basiert zu einem großen Teil auf ihrem Fassadenkonzept. Ideenreich spielt die Architektur mit Glas, Metallflächen und Lamellen. Das Beleuchtungskonzept von Licht Kunst Licht stützt diesen vitalen und vielschichtigen Materialmix.

Die Innenbeleuchtung wirkt auch nach außen und erzeugt eine große Transparenz. Die Treppenhauskerne sind klar ablesbar. Fast tausend Meter LED-Linien zeichnen die Wasserkante nach [Bild: Lukas Roth]

Das Headquarter-Gebäude erscheint wie ein zerschnittener Würfel mit Schnittflächen aus champagnerfarbenem Stahlblech [Bild: Lukas Roth]

Das fünfzig Meter hohe Headquartergebäude bildet das Herzstück des Campus. Der Park wurde von Grund auf neu gestaltet, in seiner Mitte liegt die 235 Meter lange Wasserachse [Bild: Lukas Roth]

Sehr gut entblendete Mastleuchten schaffen örtliche Lichtzonen entlang der wichtigsten Routen über den Campus [Bild: Lukas Roth]

Unregelmäßig angeordnete Fugen im Vordach des Headquarters nehmen High-power-LEDs auf [Bild: Lukas Roth]

Der Ausblick auf den Park ist von einem 28 mal 26 Meter großen Landschaftsfenster eingerahmt [Bild: Lukas Roth]

Das Atrium erstreckt sich über elf Etagen des Headquarters. In die rund 300 Meter langen Handläufe der Brücken sind durchgängig LEDs eingefügt [Bild: Lukas Roth]

Die Aufzugschächte werden durch Leuchtstofflampen-Profile betont [Bild: Lukas Roth]

Das Forumsgebäude bietet den Raum für Versammlungen und Projektarbeit [Bild: Lukas Roth]

Die perforierte Stahlfassade erlaubt den Einblick in Restaurant und Aufsichtsratssaal (2. OG) und Besprechungsräume (1. OG) [Bild: Lukas Roth]

Durch Oberlichter und Glasfronten fällt viel Tageslicht in das Foyer des Forums [Bild: Lukas Roth]

Die Beleuchtungskörper sind integrale Bestandteile der Architektur [Bild: Lukas Roth]

Die Beleuchtungskörper sind integrale Bestandteile der Architektur [Bild: Alexander Rotsch]

Die Ringpendelleuchten im Gästecasino sind Sonderanfertigungen mit Direkt- und Indirektanteil. Vouten im Deckenversprung hellen die Deckenkassetten in der gesamten Raumlänge zusätzlich [Bild: Lukas Roth]

Starkes Streiflicht hebt die titanfarbene Wandverkleidung des Mitarbeiterrestaurants und der Cafeteria hervor. Die Pendelleuchten aus Stahl und Glas sind auf die Tische ausgerichtet [Bild: Lukas Roth]

Dank hinterleuchteter Glaswände sind die Zugänge zwischen den Gebäuden und der Tiefgarage angenehm lichtdurchflutet [Bild: Lukas Roth]

Im Jahr 2006 fiel der Entschluss, im Herzen des Krupp-Gürtels eine neue Konzernzentrale für ThyssenKrupp zu errichten, und schon im Sommer 2010 konnte der erste Bauabschnitt seiner Bestimmung übergeben werden. Kein symbolträchtiger, steil in die Höhe strebender Solitär, sondern eine flächige und flexible Struktur wurde realisiert. Der gemeinsame Entwurf der ARGE Architekten TKQ, JSWD Architekten und Chaix & Morel et Associés folgt der Idee eines Campus. Um eine zentrale Wasserachse gruppieren sich das Hauptgebäude Q1, das Q2 genannte Forum, die Verwaltungsgebäude Q5 und Q7 und ein Parkhaus.



Die Außenwirkung der Gebäude beruht durchgehend auf dem Prinzip der Überlagerung von Schale und Kern. Metallgewebe, perforierte Bleche, Sonnenschutzlamellen und großformatige, farbige Glattbleche prägen viele Oberflächen an und in den Gebäuden. Abschnittsweise überlagern sie die Glasfassaden. Das wechselnde Tageslicht bringt Varianz in diesen Mix aus transparenten, durchbrochenen und soliden Layern. Dafür, dass diese Stilmittel auch in den Abend- und Nachtstunden zuverlässig funktionieren, sorgt ein fein abgestimmtes Lichtkonzept. Seinen Reiz bezieht es zu einem großen Teil aus der von innen nach außen wirkenden Beleuchtung der Gebäude und der darauf sensibel abgestimmten Lösung für den Außenbereich.

Wasserbecken, Allee und Verbindungswege
Die zentrale Achse des ThyssenKrupp-Quartiers markiert ein Wasserbecken mit einer Gesamtlänge von 235 Metern. Entlang des Bassins verlaufen die Haupterschließungswege: auf der linken Seite ein breiter Fußweg, auf der rechten Seite die „Allee der Welten“ mit 15 Baumarten aus fünf Kontinenten. Ergänzt werden sie von kleineren Wegen, die teilweise die Wasserfläche kreuzen. Sie folgen keinem strengen Raster, sondern schaffen, oft als Diagonalen zwischen den Bauten, möglichst kurze Verbindungen.

Bei der Beleuchtung der Außenanlagen legten die Planer vom Büro Licht Kunst Licht großen Wert darauf, die von innen nach außen wirkende Beleuchtung der Gebäude nicht zu beeinträchtigen. Störende Reflexionen und ablenkende Lichtpunkte wurden durch eine kluge Leuchtenauswahl vermieden: Hochentblendete Mastleuchten mit speziell entwickelter Lichtverteilung säumen die beiden Hauptwege, die kleineren Pfade werden aus niedriger Ebene mit Pollerleuchten erhellt. Um den Übergang zwischen Land und Wasserflächen zu markieren und ihre strukturierende Geometrie auch bei Dunkelheit sichtbar zu machen, zeichnen LED-Lichtlinien alle Kanten des Wasserbassins auf fast 1.000 Metern Gesamtlänge nach.

Q1 – Das Headquarter
An der Stirnseite des Wasserbeckens, sozusagen in der Zentralperspektive, liegt das neue Headquarter des ThyssenKrupp-Konzerns. Seine beeindruckende Außenwirkung bei Nacht verdankt der 50 Meter hohe Baukörper einem durchkomponierten Lichtszenario, das vor allem mit den Reflexionsflächen in den Innenräumen spielt, so sein Volumen herausarbeitet und eine attraktive Tiefenwirkung generiert.

Dem schon erwähnten Prinzip von Kern und Schale folgend, scheint der Baukörper aus einem gläsernen Würfel zu bestehen, der abschnittsweise von einer Schicht aus perforiertem Stahlblech umhüllt wird. Im 3. Obergeschoss sind innenliegende Bodeneinbauleuchten installiert. Ihr dezentes Streiflicht verleiht dem eloxierten Metall mit Einbruch der Dunkelheit einen sanften Schimmer. Im Gebäuderücksprung unterhalb des Erdegeschosses sind Downlights installiert, die druckvolles Licht auf den Boden geben. Durch Rückreflexion werden die Deckenuntersichten erhellt, die Architektur erscheint leicht und schwebend.

Weitere Lichtinstrumente der klassischen Fassadeninszenierung kommen nicht zum Einsatz, stattdessen werden im Inneren des Gebäudes ausgewählte Flächen eingeblendet und vermitteln sein Gefüge nach außen. Die direkt-indirekt strahlenden Stehleuchten in den Büros sorgen beispielsweise nicht nur für gute visuelle Bedingungen an den Arbeitsplätzen, sondern blenden auch die Raumdecken ein. Markant treten dank eines Lichtprofils die vier über die ganze Gebäudehöhe verlaufenden Treppenhauskerne hervor. Das Atrium selbst entfaltet seine grandiose Außenwirkung ganz unmittelbar durch riesige Panoramafenster.

Diese 26 Meter breiten und 28 Meter hohen Glasflächen an Nord- und Südseite des Q1 öffnen das Gebäudeinnere hin zur umgebenden Landschaft und versorgen das Atrium und die angrenzenden Räume mit Tageslicht. Von außen geben die Panoramafenster den Blick in das transparente Herz des Headquarters frei. Spektakulär zeichnen sich die quer durch den Raum gespannten Brücken ab. In ihre Handläufe wurden LED-Lichtlinien integriert. Diese leuchtenden Horizontalen treten in einen spannungsreichen Dialog mit der Vertikalen der ebenfalls hell eingeblendeten Aufzugsportale. Die brillante Grundbeleuchtung des elfgeschossigen Glasvolumens übernehmen Strahler, die an zwei Seiten unterhalb des Glasdaches sitzen.

Q2 – Das Forum
Im Forumgebäude Q2 empfängt ThyssenKrupp seine Gäste und Kunden. Über das gesamte zweite Geschoss erstreckt sich eine Konferenzetage mit Besprechungsräumen und einem Sitzungs- und Veranstaltungssaal für bis zu 1.000 Personen. Die dritte Etage beherbergt das Gästecasino und den Sitzungssaal für den Aufsichtsrat. Ebenerdig liegen Mitarbeiterkantine und -cafeteria. Auch bei diesem Bau ist die Gebäudestruktur durch die semitransparente und im Erdgeschoss transparente Fassade hindurch von außen gut ablesbar. Erfolgreich ist es den Lichtplanern gelungen, eine Innenraumbeleuchtung zu kreieren, die gleichzeitig die attraktive Außenwirkung des Gebäudes bestimmt.

Deutlich wird dies an der Lichtlösung für die Kantine: Während starkes Streiflicht die titanfarbene Wandverkleidung in der Raumtiefe inszeniert, übernimmt eine zylindrische Sonderleuchte mit satiniertem Glasschirm über jedem Tisch die Zonierung des Restaurants. Diese Kombination verleiht dem Raum Volumen und dem Einblick ins Gebäude einladenden Charakter. Gleichzeitig sind alle Verkehrswege hell beleuchtet, und an den Tischen herrscht eine ausgewogene Mischung horizontaler und vertikaler Beleuchtungsstärken.

Ein ebenfalls stark zonierendes Lichtkonzept stützt den repräsentativen Charakter des Gästekasinos. Über den senkrecht zur Fensterfront ausgerichteten Tischen ist jeweils ein großer ringförmiger Leuchter mit direkter und indirekter Lichtkomponente abgependelt. Brusthohe Raumteiler und von der Decke abgehängte filigrane Metallvorhänge fassen  jeweils zwei Tische zu einer Gruppe zusammen und strukturieren den langgestreckten Raum. In die Möbel ist eine RGB-Leuchte integriert, die auf Wunsch farbdynamisches Licht auf die glänzenden Vorhänge gibt. An der Decke zeichnet eine Lichtvoute die Umrisse der Raumsegmente nach.

Eine innovative, eigens für das Projekt entwickelte LED-Lichtdecke wurde im Sitzungssaal des Aufsichtrates installiert. Neben einer diffusen räumlichen Komponente integriert sie auch ein optisches System, das für direktes, druckvolles Licht am Konferenztisch sorgt. Von der überzeugenden Lichtwirkung und attraktiven Gestaltung dieser Sonderleuchte profitieren auch die Besprechungsräume im Headquarter Q1.

Der Raum der Stille
Neben seiner vielfältigen Infrastruktur für fachliche Kommunikation, für den Dialog mit Gästen und Kunden und dem Austausch an der Schnittstelle zwischen Privatem und Arbeit während der Pausen beherbergt das Forum auch noch einen Raum, dessen beeindruckende Reduktion jede Nutzung in das Ermessen seiner Besucher stellt. Der 135 Quadratmeter große „Raum der Stille“ soll ein Ort der Meditation, der Sammlung und des Rückzugs sein, kann durch seine besondere Atmosphäre aber auch zur Kulisse für Gespräche über die großen Fragen des Lebens werden.

Wer den langgestreckten 7 Meter hohen und 1,60 Meter breiten Vorraum passiert hat, steht in einem kargen Raum mit weißen Decken und Wänden, in dessen Mitte ein großer Kubus schwebt. Gebrochen wird der konsequent homogene Raumeindruck nur durch die Innenverkleidung des Kubus. Seine Innenseiten, erst wahrnehmbar, wenn man direkt unter dem Kubus steht, sind mit 30 bis 40 Zentimeter großen Titanschindeln bedeckt. Ihre wertige Materialität und das Spiel der Formen werden durch eine mit LEDs ausgestattete Lichtdecke herausgearbeitet. Die einzeln ansteuerbaren RGB-Leuchtdioden bilden eine Pixelmatrix, die mit einer unbegrenzten Vielfalt statischer und dynamischer Lichtszenen bespielt werden kann. Unter den auf Knopfdruck abrufbaren Programmen ist zum Beispiel ein blauer Himmel mit sanft dahinziehenden Wolken.

Lichtqualität und Energieeffizienz
Durch ein zentrales Nachhaltigkeitsmanagement integriert ThyssenKrupp ökologisches Handeln systematisch in die Geschäftsprozesse des Konzerns. Und so war der schonende Umgang mit Umwelt und natürlichen Ressourcen auch bei den Planungen für die Unternehmenszentrale ein übergeordnetes Anliegen. Der Primärenergiebedarf für den Betrieb der Bürogebäude wird die gesetzlichen Vorgaben um 20 bis 30 Prozent unterschreiten. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zeichnete das Headquarter Q1 2009 mit ihrem Vorzertifikat in Gold aus.

Effizienter Energieeinsatz kennzeichnet daher auch sämtliche Beleuchtungslösungen im Quartier. Die Anwendung moderner LED-Technik in großem Maßstab, die tageslicht- und präsenzabhängige Steuerung der Beleuchtung und die konsequente Nutzung von natürlichem Licht bewirken große Energieeinsparungen. Für das Gebäude Q1 hat Licht Kunst Licht eine umfassende Tageslichtuntersuchung durchgeführt und in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE den fassadenintegrierten Sonnenschutz tageslichttechnisch und klimatechnisch untersucht und optimiert.




 
 

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