16. November 2020

Reduktive Lichtregie für die Altstadt von Paphos

Seit 1980 Weltkulturerbe der UNESCO und 2017 Kulturhauptstadt Europas, erfuhr die Altstadt der bedeutendsten und ältesten Stadt an der Südwestküste Zyperns mittels EU-Geldern eine Revitalisierung, die auch ein neues Beleuchtungskonzept beinhaltete. Wettbewerbsgewinner LDPi besann sich auf eine reduktive Lichtregie, welche die architektonischen und historischen Meilensteine mit Lichtlinien und mit der Wirkung von Licht und Schatten „rekonstruiert“.

In der dunkel gehaltenen Umgebung lenkt LDPi, ein international tätiges Planungsbüro für Architekturbeleuchtung, den Blick auf das Wesentliche [Bild: Maria Efthymiou - Creative Photo Room]

Die Revitalisierung der bedeutendsten und ältesten Stadt an der Südwestküste Zyperns beinhaltete ein neues Beleuchtungskonzept. In der Bietergemeinschaft überzeugten LDPi und iGuzzini [Bild: Maria Efthymiou - Creative Photo Room]

Mittels Lichtlinien und Effekten aus Licht und Schatten werden die Gebäude und deren architektonische Details gleichsam „rekonstruiert“ [Bild: Maria Efthymiou - Creative Photo Room]

Underscore InOut-Lichtlinien bilden unterhalb der Sitzbänke kleine Lichtinseln aus. Zur Inszenierung der Gedenksäulen und der Bäume, die den Platz verschönern und Schatten spenden, verwendeten die Lichtplaner für den Außenbereich geeignete Bodeneinbauleuchten [Bild: Maria Efthymiou - Creative Photo Room]

Mit seiner Dramatik verleiht das neue Beleuchtungskonzept dem historischen Teil von Paphos Bühnencharakter [Bild: Maria Efthymiou - Creative Photo Room]

Eine drei Meter hohe Mastversion der von Renzo Piano entworfenen Leuchte Lander wurde speziell für Paphos gebaut [Bild: Maria Efthymiou - Creative Photo Room]

In der Stadt Paphos, die sich aus einem der wichtigsten Stadtkönigsreiche Zyperns entwickelte, zeigt sich eine besonders hohe Dichte archäologischer Stätten und Ausgrabungen. Der nahegelegene Strand Petra tou Romiou, der zu den schönsten der Insel gehört, verleiht Paphos zudem einen Mythos. Denn ganau dort soll Aphrodite, die griechische Göttin der Schönheit und der Liebe, nach ihrer „Geburt“ dem Meer entstiegen sein.



Diese Gründe trugen dazu bei, dass der geschichtsträchtigen kleinen Hafenstadt mit ihren etwa 33.000 Einwohnern 1980 von der UNESCO der Status Weltkulturerbe verliehen wurde. Als Paphos 2017 als erster Ort der geteilten Insel Zypern auch zur Kulturhauptstadt Europas wurde, sah die Stadtverwaltung darin den richtigen Zeitpunkt für die Beantragung von EU-Geldern zur Revitalisierung der Altstadt. Dabei standen zunächst die Restaurierung und Sanierung der Gebäude und Monumentalbauten des im Laufe der Jahre verfallenen historischen Stadtkerns im Fokus.

Als die historischen Gebäude wie Schule, Rathaus und weitere repräsentative Bauten sowie die Straßen wieder im alten Glanz erstrahlten, wurde für die ebenfalls mit EU-Mitteln finanzierte Beleuchtung ein Wettbewerb ausgeschrieben. Für die Konzeption der Beleuchtung, den Bau ihrer Anlagen sowie die Bereitstellung und Installation der Leuchten wurde eine Bietergemeinschaft ins Leben gerufen, an der sich unter weiteren Unternehmen iGuzzini zusammen mit LDPi, einem international tätigen Planungsbüro für Architekturbeleuchtung beteiligte. Aufgrund seines höchst innovativen Ansatzes konnte das eingereichte Projekt von LDPi den Wettbewerb für sich entscheiden.

„Rekonstruktion“ der Gebäude mit Licht
Die Architekturlicht-Planer hatten ein Konzept entwickelt, in dem die architektonischen und historischen Meilensteine des Areals nicht mittels einer einheitlichen diffusen Beleuchtung, sondern durch eine reduktive Lichtregie gewürdigt wurden. Mittels Lichtlinien und Effekten aus Licht und Schatten werden die Gebäude und deren architektonische Details gleichsam „rekonstruiert“. Denn die Monumente und Bauten im Bereich der Altstadt sollten sowohl bei Tageslicht als auch bei Dunkelheit in einer anderen Weise wahrgenommen werden als zuvor.

Die für die geplanten Lichtszenarien ausgewählten Leuchten mit Spot- und Superspot-Optiken erlauben eine präzise Justierung ihrer unterschiedlichen Abstrahlwinkel und halten damit die Grenzwerte zur Eindämmung des Lichtsmogs ein. Gleiches gilt für die eingesetzten Lichtlinien. Trick-Leuchten in 360° und 180° verzaubern die Säulenportale, Fensteröffnungen und Friese der historischen Bauten mit feinen Lichtschwertern, welche die Fassadendetails akkurat nachzeichnen und dem Betrachter die Wahrnehmung des Wesentlichen erleichtern. Teilweise heben an der Basis der Säulen installierte iPro-Strahler die imposante Höhe der Monumente hervor.

Licht, wo es wirklich gebraucht wird
In der überwiegend dunkel gehaltenen Umgebung bilden Underscore InOut-Lichtlinien um den Brunnen und unterhalb von Sitzbänken kleine Lichtinseln aus, während die Streiflichter der vorwiegend am Boden installierten iPro-Strahler den Blick auf die zahlreichen, in dem historischen Stadtbereich vorfindbaren Statuen lenken. Zur Inszenierung der Gedenksäulen und der Bäume, die den Platz verschönern und Schatten spenden, verwendeten die Lichtplaner für den Außenbereich geeignete Bodeneinbauleuchten. Für eine gleichmäßige Ausleuchtung der Fußgängerzonen kommen Lander-Leuchten in Poller-Ausführung zum Einsatz. Zur Beleuchtung des Rathausplatzes wurde eine drei Meter hohe Mastversion speziell für dieses Projekt konzipiert und realisiert.

Die komplett DALI-fähigen Leuchten werden von einem KNX-System gesteuert, über das zu besonderen Anlässen Lichtszenarien abgerufen werden können. Dank der Sanierung und der neuen Beleuchtung können die Bewohner von Paphos ihre Altstadt nun wieder genießen. Und für jeden Touristen ist allein das subtile Beleuchtungskonzept einen abendlichen Ausflug wert. Denn der Einsatz von Licht nur dort, wo es gebraucht wird, und die Schattenwirkungen, welche die Säulengänge der Bauten inszenieren, verleihen diesem Teil von Paphos in ihrer Dramatik Bühnencharakter.




 
 

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