01. Dezember 2016

Projekt des Monats
Dezember 2016

Bahnhof Löwenstraße - Licht zum Eilen, Licht zum Verweilen

Raum, Bewegung und Leere lieferten die Grundlage für das bauliche Konzept des 2014 in Betrieb genommenen Tiefbahnhofs Löwenstraße in Zürich. Für die laut dem Architekten „entmaterialisierte Architektur“ schuf Reflexion ein LED-Beleuchtungskonzept, das die passierenden Menschenmassen in allen notwendigen Funktionen unterstützt und den am Gleis Wartenden Aufenthaltsqualität bietet. Das Projekt wurde jetzt mit dem Prix Lumière und schon zuvor in der Kategorie Verkehrsbauten mit dem Deutschen Lichtdesign-Preis 2016 ausgezeichnet.

Am Bahnhof Löwenstraße unterstützt das Lichtdesign die organisatorische Klarheit, die gute Übersichtlichkeit und die schnelle Orientierung [Bild: Reflexion AG]

Bei der mitten in der Planungsphase erfolgten Umstellung von 70 Watt Halogen-Metalldampf auf LED galt es, die Blendungsbegrenzung der Gegenreflektorleuchte, die Reflexion in einem aufwändigen Prozess optimiert hatte, erneut zu erreichen. Im Shopville und in den Übergängen erfahren die Passanten höchsten Lichtkomfort [Bild: Reflexion AG]

Die direkt- /indirekt strahlende Linearleuchte entlang der Bahnsteigkante konzentriert das Licht auf den hellen Boden und die goldene Metalldecke [Bild: Reflexion AG]

Trotz der extrem niedrigen Decken haben die Fahrgäste im Perrongeschoss, das Teil des neuen Bahntunnels ist, nie das Gefühl von Enge und Beklommenheit. Beleuchtet sind ausschließlich die Böden aus hellem Granit und die goldfarbenen Metalldecken, während die schwarzen Tunnelwände und seitlichen Galerien ein Schattendasein führen [Bild: Reflexion AG]

Von Reflexion entwickelte, lineare Wallwasher mit Spezialoptiken wurden direkt an den Wandkanten in die Decken eingebaut. Sie arbeiten die Struktur des Sichtbetons fein heraus, bringen die hellgrauen Flächen gleichmäßig zum Leuchten und erzeugen einen Kontrast zu dem warmen Licht des Perrongeschosses [Bild: Reflexion AG]

Die Gleisbereiche wurden als farbige, warm leuchtende Inseln ausgebildet [Bild: Reflexion AG]

Hier zeigt sich der markante Kontrast zwischen den tageslichtähnlilch beleuchteten Aufgängen und dem warmtonigen Perrongeschoss [Bild: Reflexion AG]

Die Linearleuchte für das Perrongeschoss ist eine Eigenentwicklung von Reflexion. Die Planer gaben die komplexe Lichtverteilung des asymmetrischen Direkt- und Indirektlichts exakt vor [Bild: Reflexion AG]

Mit dem Durchgangsbahnhof Löwenstraße 16 Meter unterhalb der Haupthalle, die Jakob Friedrich Wanner 1871 im prunkvollen Neorenaissancestil erbaut hatte, erhielt der als Kopfbahnhof ausgebildete Züricher Hauptbahnhof einen konsequent funktionalen Ergänzungsbau, dessen Architektur den zunehmenden Pendlerströmen gerecht wird. Personenfluss, Sicherheit und Übersicht waren die vom Architekten definierten Zielvorgaben für den Tiefbahnhof der neuen Durchmesserlinie, die Altstetten und Oerlikon miteinander verbindet. Im Fokus des Entwurfs stand auch das Shoppingcenter Shopville, in dessen zahlreichen Geschäften sich die Pendler mit den Dingen des täglichen Bedarfs versorgen können.

Nach siebenjähriger Bauzeit und ebenso langer vorausgegangener Planung wurde der Bahnhof im Juni 2014 in Betrieb genommen. Die Entscheidung für den Architekten Jean-Pierre Dürig war auf der Grundlage eines 2002 von der SBB (Schweizerische Bundesbahnen) ausgelobten Wettbewerbs gefallen, an dem die Lichtplanungsabteilung der Amstein + Walthert AG, die seit dem Zusammenschluss mit der Reflexion AG unter letzterem Namen firmiert, bereits mitgewirkt hat. 13 Jahre lang dauerte die Planungsphase des kompromisslosen, zunächst auf konventionellen Leuchtmitteln basierenden Beleuchtungskonzepts, das als Konsequenz des sich in diesem Zeitraum vollziehenden technologischen Wandels in der Lichtindustrie komplett auf LED umgestellt wurde.


Erfolgreiche Umstellung auf LED mitten im Planungsprozess
Die zwecks zielstrebigen Vorwärtskommens der Pendler organisatorische Klarheit, gute Übersichtlichkeit und schnelle Orientierung, die im Bahnhof Löwenstraße aufgrund des großzügigen Ausbaus der Verbindungen der Hallen, Passagen und Ebenen gegeben sind, sollten vom Lichtdesign unterstützt werden. Da die Passagen und der neue Bahnhof unterhalb der oberirdischen Gleise des Bestandbaus liegen, war ein Tageslichteintrag in die Tiefe ausgeschlossen. Auch über die zugunsten oberirdischer Platzoptimierung schlank gehaltenen Aufgänge erreicht nur ein Minimum natürlichen Lichts den Untergrund. Um in den durchgehend neutral gehaltenen Shopping- und Zirkulationsflächen dennoch ein besonders helles Beleuchtungsniveau ohne unnötigen energetischen Aufwand zu realisieren, reagiert die Architektur auf das fehlende Tageslicht mit stark reflektierenden Materialfarben. Weiße Wände, eine weiße Metalldecke und ein hellgrauer Granitboden prägen den Charakter der weitläufigen Flächen. Hell zeigen sich auch die mit einer Treppenanlage aus Granit ausgestatteten Aufgänge aus Sichtbeton.

Mit nur zwei speziell entwickelten Leuchtentypen gelang es Reflexion auf diesen Flächen, die mit mehr als 100.000 Quadratmetern der Größe von sechs Blöcken der Bahnhofstrasse entsprechen, für Raumdramaturgie, Orientierung, Ausleuchtung und Rauminformation zu sorgen. Ein besonders hoher Lichtkomfort war dabei oberstes Gebot. Daher hatten die Planer die Blendungsbegrenzung der im Shopville und den Übergängen durchgängig eingesetzten Gegenreflektorleuchte in einem aufwändigen Prozess optimiert. Bei der späteren Umstellung von 70 Watt Halogen-Metalldampf auf LED galt es, die hervorragenden Werte erneut zu erreichen. Reflexion meisterte diese Herausforderung mit größter Präzision und konnte mit ihrer Entwicklung zusätzlich die Integration einer Notleuchte ermöglichen. Die Leuchten spannen das Shoppinggeschoss mit seinen relativ niedrigen Decken gleichmäßig über die Raumbegrenzungsflächen auf und tauchen die Laufzonen in ein angenehmes, neutral-weißes Licht, das selbst bei besonders hohem Verkehrsaufkommen Gesichtserkennung und Raumorientierung ermöglicht.

Neutral-weiße Passierzonen und warmtonige Lichtinseln für die Wartenden
Für die Aufgänge entwickelten die Planer direkt an den Wandkanten in die Decken eingebaute Linearleuchten mit Spezial-Optiken, die die Oberflächenstruktur des Sichtbetons in Wallwasher-Manier fein herausarbeiten und die hellgrauen Flächen gleichmäßig zum Leuchten bringen. Diese angenehme, homogene Helligkeit unter der Erde begleitet den Passanten bis tief hinab in das neue Perrongeschoss, das ihn überraschend mit einer warmen, goldig strahlenden Lichtatmosphäre empfängt. Das Perrongeschoss ist keine Bahnhalle im eigentlichen Sinne, sondern Teil des neuen Tunnels, der die Flüsse Sihl und Limmat unterquerend für die neue Durchmesserlinie gebaut wurde. Durchgehende, den strengen Sicherheitsvorschriften entsprechende Galerien mit Entrauchungsanlagen über den Gleisen ließen die Decken in dem sehr engen Tunnelquerschnitt extrem niedrig werden. Auf diese Gegebenheiten reagieren Architektur und Beleuchtung meisterhaft. Zur Vermeidung eines Gefühls von Enge und Beklommenheit wurden die Gleisbereiche als farbige, warm leuchtende Inseln ausgebildet. Beleuchtet sind ausschließlich die Böden aus hellem Granit und die goldfarbenen Metalldecken, während die schwarzen Tunnelwände und seitlichen Galerien ein Schattendasein führen. Zu keiner Zeit hat der auf seinen Zug wartende Pendler oder Reisende somit das Gefühl, sich in einem kleinen, engen Raum aufzuhalten. Bei der der Bahnsteigkante folgenden Linearleuchte, mit der das Konzept frei jeden Kompromisses umgesetzt werden konnte, handelt es sich um eine Eigenentwicklung der Lichtplaner, welche die komplexe Lichtverteilung des asymmetrischen Direkt- und Indirektlichts exakt vorgaben.

Auch die ursprünglich mit Leuchtstoff operierenden Wallwasher und Perronleuchten wurden mitten in der Planungsphase mit besten Ergebnissen auf LED umgebaut. Die Perronleuchte erfüllt den Zhagastandard und kann durch genormte, im Lichtstrom anpassbare Platinen entsprechend einfach neu bestückt werden. Alle im neuen Bahnhof Löwenstraße eingesetzten Leuchten zeichnen sich zudem dank Einbaus eines elektronischen Bausteins durch Konstanthaltung des Lichtstromes und somit auch des Lumenstroms über den gesamten Betriebszeitraum aus.

Mit dem neuen Durchgangsbahnhof in Zürich ist ein Verkehrsbau gelungen, der sich konsequent auf seine Funktion konzentriert. Die klare Gestaltung, die fließenden Wege und die in vielerlei Hinsicht unterstützende Beleuchtung kommen den vielen Pendlern zugute, die sich Tag für Tag eilenden Schrittes ihren Weg bahnen. Der am Bahngleis Wartende indes darf sich über die warm-goldende Anmutung freuen, die das Warten zum Verweilen werden lässt. Ein wahrhaft „bahn“brechendes Lichtkonzept.




 
 

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