01. April 2016

Projekt des Monats
April 2016

St. Kamillus Kolumbarium - Ewiges Licht

Die Kirche St. Kamillus wurde von dem Orden der Kamillianer in den Jahren 1929-31 nach den Plänen des bedeutenden Kirchenbaumeisters Dominikus Böhm als Krankenhauskirche errichtet und stellte bis zu ihrer Profanierung im Sommer 2014 einen wesentlichen Bestandteil des denkmalgeschützten Ensembles des ehemaligen Kamillianer-Krankenhauses dar, an das das Noviziat und Kloster der Kamillianer mit zweigeschossigem Kreuzgang anschließt. Für die Denkmalpflege stellt die Kirche das wichtigste Bauteil in dem Ensemble dar.

[Bild: Jörg Hempel, Dipl. Fotodesigner BFF]

[Bild: Jörg Hempel, Dipl. Fotodesigner BFF]

[Bild: Jörg Hempel, Dipl. Fotodesigner BFF]

[Bild: Jörg Hempel, Dipl. Fotodesigner BFF]

[Bild: Jörg Hempel, Dipl. Fotodesigner BFF]

[Bild: Jörg Hempel, Dipl. Fotodesigner BFF]

[Bild: Jörg Hempel, Dipl. Fotodesigner BFF]

[Bild: Jörg Hempel, Dipl. Fotodesigner BFF]

[Bild: Jörg Hempel, Dipl. Fotodesigner BFF]

[Bild: Jörg Hempel, Dipl. Fotodesigner BFF]

[Bild: Jörg Hempel, Dipl. Fotodesigner BFF]

[Bild: Jörg Hempel, Dipl. Fotodesigner BFF]

In enger Abstimmung mit den beteiligten Behörden, der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Mönchengladbach und Frau Dr. Heinzelmann, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, haben bdmp | Architekten & Stadtplaner BDA die Umnutzung der Kirche in ein Kolumbarium entwickelt. Die Planungsphase wurde zudem im stetigen Austausch mit dem Pritzker-Preisträger Professor Gottfried Böhm, Sohn des Erbauers, und wiederum seinen Söhnen begleitet. Der würdevolle Umgang mit dem Erbe, das für die Familie Böhm neben der bauhistorischen Bedeutung einen hohen emotionalen Wert hat, stand von Anbeginn im Fokus.

Die Kirche beschreibt einen Teil des besonderen, durch Dominikus Böhm um 1930 erschaffenen, Ensembles auf dem Gelände des ehemaligen Asthma-Krankenhauses der Kamillianer. Das gesamte Ensemble ist geprägt von einer klaren Materialsprache - Backstein, Naturstein und Holz - die Dominikus Böhm sorgfältig zusammengestellt hat.

Die wuchtige Backsteinmasse des Exterieurs der Kirche löst sich unmittelbar beim Eintreten in das Mittelschiff auf. Die vertikale Struktur der Fassade wird durch das eingesetzte Streiflicht als bedeutendes Merkmal des Klinkerexpressionismus hervorgehoben. Die Gesamtheit des Raumes erhält durch sein keusches Weiß einen, wie Dominikus Böhm beschreibt, hoffnungsfrohen Charakter und wird durch seine Einfachheit bis ins Detail geprägt.


Es ist eine Einfachheit, die in dem andachtsvollen Sakralraum über den Wechsel von sparsam eingesetzten, hochwertigen Materialien sowie das einfallende Licht der 21 zurückhaltend inszenierten Chorraumfenster erzielt wird.

In dem hellen, von Licht durchfluteten Raum, erhält das Material Naturstein in der Belebung der Räumlichkeit einen mehrdeutigen Wert. Ein erster Blick in den Chorraum offenbart dem Betrachter die unterschiedlichen Natursteinsortierungen. Hervorgehoben wird der Boden aus gelblichen Sollnhofener Natursteinplatten. Das Eingangsportal und die Stützpfeiler im Seitenschiff sind mit schwarzem Marmor verkleidet. Die liturgischen Elemente, wie die Weihwasserbecken und der Hochaltar bestehen aus einem rot-braunen Naturstein.

Ein zweiter, etwas genauerer Blick, verrät mehr über die empathische Qualität des Natursteines. Die subtilen Nuancen der einzelnen Natursteinplatten, sowie die Akzeptanz von Abweichungen in Struktur und Farbe, prägen im Wechselspiel mit dem einfallenden Licht die Dimensionen des ehemaligen Kirchenraumes. Es wird eine wertige Atmosphäre erzeugt, die dem St. Kamillus Kolumbarium eine Bühne zur Aufstellung der Urnengrabstätten bietet.

Der Entwurf der Grabstätten nimmt Bezug auf die stringente Gliederung der sich über fünf Ebenen erstreckenden, einfühlsam angeleuchteten Arkadenwand und definiert Zwischenräume als intimere Bereiche - als Verweilorte.

In den Grabplatten des St. Kamillus Kolumbariums werden die Qualitäten der Materialien und die Qualitäten des Lichtes vereinigt. Ein Anteil der Grabplatten ist, neben den handbrünierten Messingplatten, mit einem hellen Naturstein bestückt und wird in verschiedenen Farbnuancen hinterleuchtet. Mineralische, kristalline Einschlüsse in den Ursprungsgesteinen führen zu dem typischen Dekor, der `Marmorierung` des Materials. Die weißen Marmorgrabplatten im St. Kamillus Kolumbarium sind lichtdurchlässig. Die unterschiedlichen Dichteverhältnisse der einzelnen Grabplatten werden durch die Hinterleuchtung betont und lassen die individuelle Maserung einer jeden Grabplatte zum Vorschein kommen. Die Einzigartigkeit des Materials stellt die Analogie zu der Einzigartigkeit eines Menschenlebens dar.

In Zusammenarbeit mit dem technisch versierten Kölner Unternehmen LightLife wurde im kreativen Entwurfsprozess eine ganzheitliche Lichtkonzeption entwickelt. Gemeinsam mit den Lichtkünstlern Antonius Quodt und Lukas Gössling wird das Thema des ewigen Lichtes durch die hinterleuchteten Urnenplatten spürbar. Die Umsetzung der Urnenschränke sowie deren handwerkliche Detailierung erfolgte durch die V+P Friedhofskonzepte, durch die Licht und Materialität zu einem Gefüge zusammen gebracht wurden.

Das von den Grabstellen ausgehende Licht erinnert an die Individualität der Verstorbenen und gibt Angehörigen und Besuchern des St. Kamillus Kolumbariums Halt in Zeiten der Trauer. Das Licht als Metapher für die Verbindung des irdischen mit dem Göttlichen erhellt den Raum und erzeugt Ruhe und Zuversicht.




 
 

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