30. November 2020

Insta feiert 50 Jahre Elektronik in der Gebäudetechnik

Der Geburtstag des Lüdenscheider Technologieunternehmens Insta fällt ziemlich genau zusammen mit dem Eintritt der Elektronik in die Hauselektrik. Das ist 50 Jahre her, und aus kleinen Anfängen mit dem elektronischen Dimmer hat sich ein Thinktank entwickelt, der Fertigung und Entwicklung kombiniert mit „Made in Germany“.

Hightech-Elektronikschmiede: Dank der vollautomatisierten Fertigung auf hochmodernen Anlagen und eines einzigartig flexiblen Rüstkonzepts verarbeitet die Insta GmbH mehr als 250 Millionen Bauteile pro Jahr [Bild: Insta GmbH]

Technologie-Thinktank: Die Insta GmbH ist Forschungs-, Entwicklungs- und Fertigungszentrum für komplexe Elektroniklösungen. Jedes Jahr meldet das Lüdenscheider Unternehmen im Durchschnitt 20 Patente an [Bild: Insta GmbH]

Auf 8.000 Quadratmetern beschäftigt die Firma heute 500 Mitarbeiter und erwirtschaftet 75 Millionen Euro Umsatz (2019). Das Erfolgsrezept? Heute an das denken, was morgen Kundenwünsche sind. Damit deckt das Unternehmen so zentrale Zukunftsthemen ab wie IoT, das Internet der Dinge. Aber zurück zu den Anfängen ...



„Ziel und Aufgabe der neuen Firma ist die Entwicklung, Konstruktion und Fertigung einzelner Bauelemente und Teile, die für jede Firma einzeln nicht in wirtschaftlicher Losgröße herstellbar sind, so dass solche Geräte für den Sektor Installationsmaterial in Kooperation sinnvoller gemeinschaftlich hergestellt werden.“ So kündigten im Sommer 1970 die mittelständischen Schalterhersteller Berker, Jung und Gira in einem Rundschreiben an ihre Vertreter die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens, der Insta GmbH an. Die Idee dazu war auf einer gemeinsamen Zugfahrt der Geschäftsführer der drei beteiligten Firmen, Friedrich Berker, Siegfried Jung und Werner Giersiepen, entstanden. Bereits kurze Zeit später nahm das – wie man heute sagen würde – Technologie-Startup mit 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in angemieteten Räumen in Halver-Carthausen seinen Betrieb auf, bevor Ende November 1970 die Gesellschafterverträge unterschrieben und notariell besiegelt wurden.

Eine Erfolgsgeschichte
In den folgenden fünf Jahrzehnten etablierte sich das Produktions- und Entwicklungs-Joint Venture als bedeutsames Technologie- und Innovationszentrum – nicht nur für seine Gründerfirmen. Mit ihren Entwicklungen rund um die Elektronik gibt Insta bis heute der gesamten Gebäude- und Haustechnikbranche immer wieder wichtige Impulse. Zahlreiche erfolgreiche Innovationen aus dem Insta Entwicklungslabor sind es auch, die das Wachstum des Unternehmens begründen. Mit mehr als 500 Beschäftigten, die am 2002 eröffneten Standort „Hohen Steinert“ in Lüdenscheid auf über 8.000 Quadratmetern forschen, entwickeln und produzieren, erwirtschaftet es einen Jahresumsatz von rund 75 Millionen Euro (2019). „Wir sind froh, dass wir Insta haben“ und „eine schöne Kraftquelle“, lautet denn auch die einhellig positive Bilanz von Harald Jung und Dirk Giersiepen, Geschäftsführer der beiden verbliebenen Gründungsgesellschafter Jung und Gira, anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Insta GmbH.

„Den Großen Paroli bieten“
Den Anstoß zu diesem damals wie heute ungewöhnlichen Joint Venture hatten zukunftsträchtige Entwicklungen auf dem seinerzeit noch relativ neuen Feld der Elektronik gegeben. Diese hielt Ende der 1960er Jahre mit den ersten Dimmern auch in die bis dahin überwiegend mechanische Haus- und Gebäudetechnik Einzug und eröffnete interessante Perspektiven. So waren damals auf der Ausstellung „Traumhaus 2000“ in Hamburg erstmals elektronische Berührungsschalter – alles noch Prototypen – zu sehen gewesen. „Ein neues System – da wollten und mussten wir als Mittelständler mithalten und den Großen Paroli bieten“, erinnert sich Harald Jung an die Gründungsmotive. Um im Konzert der Konzerne mithalten zu können und wettbewerbsfähig zu werden, ging es für das Mittelstandstrio aus dem Bergischen und dem Sauerland vor allem darum, Verhältnis von Aufwänden für Forschung, Investitionen und Herstellung zum Ertrag wirtschaftlich zu machen. Dementsprechend lautete die Insta Gründungsformel: „Kosten geteilt durch drei, Menge multipliziert mit drei“. „Eigentlich ganz logisch und für mich aktueller denn je“, wie Gira Geschäftsführer Dirk Giersiepen findet.

Dass diese Formel auch nach 50 Jahren noch trägt, liegt nicht zuletzt an dem hohen wechselseitigen Respekt, der das Verhältnis der beteiligten Unternehmen und ihres Führungspersonals zueinander seit langen Jahren prägt. Als „nicht verbissen“ und „vertrauenswürdig“ beschreibt Harald Jung das Miteinander. „Man hatte immer Zeit, zu frotzeln und seine Späßchen zu machen – auch über die Generationen hinweg.“

„Ein absoluter Renner“
Für das entspannte Verhältnis sorgte ebenso, dass sich schnell die gewünschten Erfolge einstellten. „Wenn etwas läuft, ist es natürlich konfliktfreier und macht mehr Freude“, erzählt Dirk Giersiepen. Schon zwei Jahre nach Gründung hatte sich die Insta Belegschaft nahezu verdoppelt. Von ihrem neuentwickelten Dimmer produzierte die Firma bis 1974 bereits 10.000 Stück. Dazu trug maßgeblich eine Erfindung des Joint Ventures bei: ein Ringkerntransformator, der anders als damalige Wettbewerbsprodukte im Betrieb kein störendes Brummgeräusch von sich gab. „Das war keine Auftragsarbeit, sondern diese Lösung hat Insta als europaweit Erster selbst entwickelt – eine unglaubliche Erfolgsgeschichte und ein absoluter Renner“, ist Dirk Giersiepen noch heute begeistert.

Hier zeigt sich schon in den Anfangsjahren das, was die Stärke der Lüdenscheider Technologieschmiede ausmacht: „Wir besitzen den Mut, Neues zu probieren und das Neue auch tatsächlich zu machen“, betont Insta Geschäftsführer Jeroen Rijswijk. Durchschnittlich zwanzig Patentanmeldungen pro Jahr bestätigen dies eindrucksvoll. Hinzu kommt, dass – wie auch das Beispiel des Tronic-Trafos aus den 1970er Jahren zeigt – die Entwicklung einer Lösung beim Kundenproblem und der Anwendung ansetzt. „Wir können Technologie zum Leben bringen“, unterstreicht Insta Geschäftsführer Alexander Burgbacher. „Zum einen, indem wir aus Elektronik ein lebendiges Produkt schaffen, und zum anderen indem wir das Produkt zur Verbesserung des Lebens im räumlichen Umfeld der Menschen liefern.“ Hier zahlt sich aus, dass von der Idee über die Fertigung bis hin zur Logistik bei den Sauerländer Elektronikspezialisten alles aus einer Hand kommt.

„Wir können Elektronik“
Dabei ist es Insta über fünf Jahrzehnte gelungen, den technologischen Wandel von der Glühlampe zur LED-Technologie und vom Dimmer zur digital vernetzten, softwarelastigen Gebäudetechnik nicht nur zu bewältigen, sondern mit eigenen innovativen Ideen und Lösungen mitzugestalten. Dies gilt nicht zuletzt für die dynamisch voranschreitende Digitalisierung von Gebäuden, die Insta vor 30 Jahren als einer der „Geburtshelfer“ des weltweiten KNX-Standards entscheidend mit angeschoben und seither maßgeblich mit vorangetrieben hat. Heute kommt jedes zehnte KNX-Gerät, das in smarten Gebäuden rund um den Globus im Einsatz ist, aus dem Lüdenscheider Technologieunternehmen. Längst denkt man dort in intelligenten „Smart Spaces“, in denen verschiedene vernetzte Systeme auf Basis unterschiedlicher Technologien arbeiten. „Wir haben die Kompetenz, mit dieser neuen Komplexität und Dynamik umzugehen und dafür Lösungen zu entwickeln. Denn wir können Elektronik“, sind sich die Insta Geschäftsführer einig. Auch deswegen blicken die Chefs der beiden Muttergesellschaften ein halbes Jahrhundert nach Gründung ihres Joint Ventures mit viel Zuversicht in die Zukunft: „Die Herausforderungen werden nicht weniger werden, und die technologische Entwicklung wird immer dynamischer voranschreiten. Aber mit Insta werden wir eher Wachstumsthemen zu managen haben.“




 
 

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