Mit der Fertigstellung des Projekts demonstriert Andres + Partner, wie Lichtplanung im Museum weit über reine Beleuchtung hinausgeht. Licht wird hier zum Medium der Vermittlung, Atmosphäre und Wahrnehmung – es interpretiert Geschichte, unterstützt Architektur und macht Kunst erlebbar.
Das Theaterfigurenmuseum Lübeck zählt zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Hinter der denkmalgeschützten Backsteinfassade entstand ein Neubau aus Sichtbeton, der wie ein modernes Märchenbuch in jedem Geschoss eine neue Welt des Figurenspiels zeigt. Eine doppelte Treppenhelix verbindet Alt und Neu und führt den Besucher durch die Ausstellung. Das Licht begleitet diese Bewegung subtil: Leuchten die in das historische Mauerwerk eingelassen wurden sind präzise ausgerichtete Strahler – sie modellieren Materialien, lenken den Blick und schaffen Übergänge zwischen Zeiten und Texturen. Ein kleines Fenster zur Straße lässt Einblicke zu – die Lichtplanung macht das Museum selbst zur Bühne.
Im neuen Forum, der Sonderausstellungsfläche, wird das Licht zum szenografischen Werkzeug. Ein variables Lichtsystem ermöglicht sowohl atmosphärische Inszenierungen als auch museale Veranstaltungen, die Architektur, Figurenspiel und Publikum in einen Dialog bringen. Großzügige Fensteröffnungen machen schon von außen neugierig auf Theateraufführungen und das Museum. Im Theater im Obergeschoss sorgt ein zurückhaltendes Lichtsystem für jede gleichmäßige und warme Raumatmosphäre. Ein Highlight ist der vom Lichtplanungsteam entwickelte Kronleuchter, der die Besucher vor dem Theatersaal empfängt. Kleine zarte gefaltete Streckmetallgitter erinnern an „Tänzer“ oder ein Marionettenspiel. Durch das Material wirken die Figuren leicht – sie lösen sich fast auf, sorgen erzeugen aber dennoch spannende Lichtreflexe und funkeln.
„Licht ist hier kein technisches Werkzeug, sondern Teil der Erzählung“, erläutert Stefanie Anten, Partnerin bei Andres + Partner. „Es verbindet Architektur und Ausstellung zu einem poetischen Raum, in dem die Besucher selbst Teil der Inszenierung werden.“
Licht als verbindendes Medium
Das Projekt verdeutlicht, dass Lichtplanung im Museum heute weit über technische Präzision hinausgeht. Sie wird zum erzählenden Medium – ein Werkzeug der Interpretation, das Architektur, Geschichte und Kunst miteinander verbindet. Im Theaterfigurenmuseum Lübeck schafft Licht Atmosphäre, führt den Blick und vereint Vergangenheit, Gegenwart und Kunst zu einem sinnlichen Gesamterlebnis.
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