01. Dezember 2020

Projekt des Monats
Dezember 2020

Ernst Barlach Haus - Der Architektur den Vorrang gelassen

In einem bestehenden Museumsbau, dessen Architektur keinerlei Veränderung erfahren soll, kann die Planung einer neuen Beleuchtungsanlage mit den museal-typisch lichttechnischen Qualitäten eine ganz besondere Herausforderung darstellen. Im Ernst Barlach Haus ist Licht01 ein Spagat gelungen, der beides in Einklang bringt und sogar um eine Tunable White-Lösung bereichert.

Im Sinne der schützenswerten Architektur von Werner Kallmorgen übernahm Licht01 die vorhandenen Deckeneinbauringe soweit wie möglich. Die QR-CBC Lampen wurden durch deckenbündig versenkbare LED-Multifunktionsstrahler mit Wechseloptiken und Wallwasher ersetzt [Bild: Ernst Barlach Haus/ Andreas Weiss]

Im Ernst Barlach Haus gibt es viele Tageslichtöffnungen, zu denen sich die ehemalige Beleuchtungsanlage mit ihrem extrem gelben und warmen Licht nicht kompatibel zeigte. Das neue Tunable White-Beleuchtungskonzept hebt die früheren starken Farbtemperatur-Differenzen gänzlich auf [Bild: Ernst Barlach Haus/ Andreas Weiss]

Die historischen Deckenleuchten wurden auf Tunable White umgerüstet und gliedern sich damit in das Gesamtkonzept [Bild: Ernst Barlach Haus/ Andreas Weiss]

Justierbare steckbare Sonderleuchten in den Oberlichtern werden für individuelle Inszenierungen eingesetzt [Bild: Ernst Barlach Haus/ Andreas Weiss]

Der Sonderausstellungsraum wird von runden Lichtdeckenfeldern beleuchtet. Zur Farbsteuerung entlang der Planckschen Kurve sind sie mit einem speziellen LED-Chip bestückt, der die Anpassung der Lichtdecken auf der Farbort der Strahler erlaubt[Bild: Ernst Barlach Haus/ Andreas Weiss]

Der Sonderausstellungsraum wird von runden Lichtdeckenfeldern beleuchtet. Zur Farbsteuerung entlang der Planckschen Kurve sind sie mit einem speziellen LED-Chip bestückt, der die Anpassung der Lichtdecken auf der Farbort der Strahler erlaubt[Bild: Ernst Barlach Haus/ Andreas Weiss]

Der Sonderausstellungsraum wird von runden Lichtdeckenfeldern beleuchtet. Zur Farbsteuerung entlang der Planckschen Kurve sind sie mit einem speziellen LED-Chip bestückt, der die Anpassung der Lichtdecken auf der Farbort der Strahler erlaubt[Bild: Ernst Barlach Haus/ Andreas Weiss]

Akzentlicht-Optiken mit unterschiedlichen Ausstrahlwinkeln inszenieren die Skulpturen [Bild: Ernst Barlach Haus/ Andreas Weiss]

Justierbare steckbare Sonderleuchten in den Oberlichtern werden für individuelle Inszenierungen eingesetzt [Bild: Ernst Barlach Haus/ Andreas Weiss]

[Bild: Ernst Barlach Haus/ Andreas Weiss]

[Bild: Ernst Barlach Haus/ Andreas Weiss]

Die Eigenständigkeit der Architektur, die sich laut Hermann F. Reemtsma, Mäzen und Freund von Ernst Barlach und Bauherr des gleichnamigen Museums, in der Geschlossenheit nach außen und in dem inneren konzentrierten Organismus für die Sammlung ausdrückt, war nach einem Umbau 1995/96 in vollem Umfang erhalten geblieben. Sie zeigt sich als Folge lichter, klar gegliederter und abwechslungsreich proportionierter, rund um einen zentralen Innenhof gruppierter Ausstellungsräume mit immer wieder erlebbaren Tageslichtbezügen. In ihrer Maßstäblichkeit bieten die Räume, die trotz ihres großzügigen Eindrucks an die Dimensionen eines Wohnhauses erinnern, die Möglichkeit zu konzentrierter Kunst-betrachtung. Durchblicke und Sichtachsen, Oberlichter, Podeste und Nischen ermöglichen ebenso vielfältige wie spannungsreiche Präsentationen.

Jetzt sollte der schlichte, nach wie vor modern anmutende Museumsbau, den der Architekt Werner Kallmorgen 1962 im Hamburger Jenischpark vollendet hatte, lichttechnisch optimiert werden. Auch dabei galt es, Eingriffe in die schützenswerte Architektur zu vermeiden. Dabei stellte die bestehende prägnante Deckenstruktur die Lichtplaner vor eine besonders große Herausforderung, da sie nach Leuchten in besonders kleiner Bauform verlangte. Doch kleine Leuchten, welche eine saubere Tunable White-Lösung mit museumsgerechten lichttechnischen Eigenschaften kombinieren, waren zu Planungsbeginn 2016 nicht im Markt verfügbar. Die Bedingungen an die Bauform und Baugröße schienen mit den lichttechnischen Anforderungen an Farbwiedergabe, Lichtstrom und vor allem Farbort nicht vereinbar zu sein.


Tunable White passt Kunstlicht an die Dynamik der Tageslichtsituationen an

Eine Tunable White-Lösung wurde favorisiert, damit das Kunstlicht an die Dynamik der hohen Tageslichteinträge angepasst werden kann. Aufgrund der in den Ausstellungsräumen zu erhaltenden Deckenstruktur mit ihrem behutsam angelegten Raster aus kleinen Öffnungen für Leuchten und großen Öffnungen für Tageslicht-Oberlichter standen die in Museen gern eingesetzten Stromschienen außerhalb jeder Diskussion. Die vorhandenen Deckeneinbauleuchten-Positionen sollten weitestgehend erhalten, wenn unbedingt nötig ergänzt oder ganz im Sinne der Architektur angepasst werden.

Als Ersatz für die ehemals in den Deckenöffnungen montierten QR-CBC-Einbauleuchten in schwenkbarer oder in schwenk- und drehbarer Stab-Version wurden versenkbare Multifunktionsleuchten mit Wechseloptiken (15° bis 80°) benötigt, die bei Bedarf zur Akzentuierung von Exponaten herausgezogen und ausgerichtet werden. Zur Umsetzung des Konzepts von Licht01 wurden zusätzlich Wallwasher für die flächenbündige Montage in den bestehenden und neuen Deckeneinbauringen benötigt, um die musealen Anforderungen an homogene Wandflutungen zu erfüllen.

Keine Farbortdifferenz dank einheitlichem Tunable White-LED-Chip
Eine bei den Wallwashern und den Multifunktionsleuchten exakte Übereinstimmung des Farborts war zwingend erforderlich. Denn bei gleichzeitiger Beleuchtung der Wände mit beiden Leuchtentypen kommt es zu Überlagerungen, welche eine Farbortdifferenz sichtbar machen würden. Nach langem Experimentieren gelang einem Hersteller schließlich in enger Zusammenarbeit mit Licht01 die Modifizierung eines Strahlers und -Wallwashers in kleiner Standardbauform zur Aufnahme des gleichen Tunable White-LED-Chip. Dank der Standardlösung konnte eine BMU-Förderung im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit in Anspruch genommen werden.

Zur eleganten Überbrückung der unterschiedlichen Größen der flächenbündig eingebauten Leuchten und der Deckenausschnitte wurden zugunsten eines einheitlichen Deckenbildes individuell gefräste Distanzplatten gefertigt. Sie kaschieren gleichzeitig die Größendifferenz von Wallwasher und Strahler und ermöglichen deren leichten Tausch, um bei temporären Ausstellungen auf die Anforderungen der Exponate reagieren zu können.

Die Herausforderungen seitens der nicht anzutastenden Architektur und der museal bedingten lichttechnischen Qualitäten sind gleichermaßen erfüllt. Die über eine Wetterstation auf dem Dach geregelte dynamische Anpassung des Kunstlichts an die wechselnden Tageslichtsituationen sorgt zudem dafür, dass die Kunst stets im besten Licht erscheint.




 
 

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