01. Dezember 2012

Projekt des Monats
Dezember 2012

ATC Heidelberg - Gebautes Sinnbild der Molekularbiologie

Mit dem Advanced Training Center erhielt das Spitzenforschungsinstitut European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg ein architektonisch innovatives Wissenschaftszentrum mit Symbolcharakter. Denn die DNA lieferte das Vorbild für die helicale Gebäudestruktur. Bei der Entwicklung des Beleuchtungskonzepts ließen sich die Planer gestalterisch von der Linearität der gläsernen Stege inspirieren, welche die gegenläufigen Stränge der Gebäude-Doppelhelix auf verschiedenen Ebenen miteinander verbinden.

[Bild: Karl Huber Fotodesign, Nagold]

[Bild: Karl Huber Fotodesign, Nagold]

[Bild: Thomas Ott, Mühltal]

[Bild: Thomas Ott, Mühltal]

[Bild: Karl Huber Fotodesign, Nagold]

[Zeichnung: Bernhardt+Partner]

Als verbindendes und kommunikatives Element wählten die Darmstädter Architekten Bernhardt und Partner die Doppelhelix für die Struktur des neuen Wissenschaftsgebäudes, welches sie als internationales Zentrum für die molekularbiologische Wissenschaft errichteten. Wie die beiden Stränge der DNA, die spiralig umeinander gewunden sind, schrauben sich im ATC zwei Funktionsstränge um einen 30 Meter hohen, als zentrale Halle ausgelegten und mit einer filigranen Membrankuppel überspannten Luftraum nach oben.


Als verbindendes und kommunikatives Element wählten die Darmstädter Architekten Bernhardt und Partner die Doppelhelix für die Struktur des neuen Wissenschaftsgebäudes, welches sie als internationales Zentrum für die molekularbiologische Wissenschaft errichteten. Wie die beiden Stränge der DNA, die spiralig umeinander gewunden sind, schrauben sich im ATC zwei Funktionsstränge um einen 30 Meter hohen, als zentrale Halle ausgelegten und mit einer filigranen Membrankuppel überspannten Luftraum nach oben.

Vernetzt werden die Stränge, die pro Niveau jeweils zwölf dreistufig getreppte Segmente umfassen, mittels vier 20 Meter langen gläsernen Stegen. Sei erinnern an die verbindenden und informationsfördernden „Leitersprossen“ der DNA Basenpaare. Dank zahlreicher Fördermittel, u.a. von der Klaus Tschira Stiftung, konnte das neue Zentrum für den globalen wissenschaftlichen Austausch in der Molekularbiologie als Sinnbild derselben realisiert werden.

Klare Zuordnungen

Während die an der Glasfassade liegenden und somit durch Außenbezug charakterisierten äußeren Funktionsringe auf dem einen Helix-Strang den administrativen Funktionen des Wissenschaftszentrums vorbehalten sind, bietet der andere Strang Raum für Schulungen, Seminare und Büros. Die inneren Funktionszonen beider Spiralen dienen vor allem Ausstellungszwecken und formieren sich zu einer „Strasse der Wissenschaft“, die allen Besuchern offen steht. Während in der einen Spirale Forschungsergebnisse des EMBL ausgestellt werden, ist die zweite Spirale für die Darstellung der Forschungsergebnisse externer Konferenzteilnehmer bestimmt.
Die gläsernen Brücken lassen inhaltliche Querbezüge zwischen den internen und halböffentlichen Präsentationen zu und tragen somit in ihrer Raumstruktur – ganz nach dem Vorbild der DNA – zum Austausch von Informationen bei. Zugunsten einer reibungslosen Orientierung in dem komplexen Gebäude, in dem eine klassische Geschossigkeit vollkommen aufgehoben ist, wurden die beiden Gebäudestränge farblich markiert.

Die Linie gibt die Gestaltung vor – auch bei der Beleuchtung
„Es war für alle Planer schon eine Herausforderung die Komplexität des Gebäudes zu verstehen, denn ein Grundriss deckt nur segmentweise alle Bereiche der Architektur. Um ein ganzheitliches Bild zu sehen muss man sich schon in die Doppel-Helix reinarbeiten“, erläutert der Lichtplaner Daniel Walden, Partner bei agLicht in Bonn, der selbst ein erfahrener Architekt ist. Das von agLicht zu planende Beleuchtungskonzept sollte sich der Architektur des vollkommen transparenten Gebäudes, das von jeder Ebene und jedem Segment freie Sichtbezüge und Durchblick ermöglicht sowie Leichtigkeit signalisiert, anpassen. „Das Ganze lebt von seinem Atrium“, gibt Daniel Walden seinen ersten, und auch bleibenden Eindruck wieder. „Die Erschließungsebenen für die einzelnen Bürobereiche haben wir als Idee aufgenommen. Die Linie als Verbindungsglied dieser Stränge, das war das gestalterische Element.“

RSL Linear Profilleuchten kreieren markanten Rhythmus
250 RSL Linear Profilleuchten mit unterschiedlichen Abdeckungen und Lichtkomponenten  folgen im flächenbündigen Deckeneinbau exakt den Windungen der Innenrampen im öffentlichen und halböffentlichen Bereich. Die der Innenrampe fassadenseits vorgelagerten, durch Glastrennwände begrenzten Flurzonen der Büros werden unauffällig von flächenbündigen Downlights aus dem RSL Standardprogramm erhellt. So ist es bei aller formalen Zurücknahme gelungen, mit den als Lichtbändern montierten Linien einen markanten Rhythmus zu kreieren, der die Helix-Struktur des Gebäudes wie selbstverständlich unterstützt. In den Präsentationssegmenten spenden die Leuchten, deren Anzahl und Abstand selbstverständlich lichttechnischen Berechnungen folgen, ein besonders homogenes Licht, das den Posterpräsentationen der Gastwissenschaftler und der Forscher am EMBL eine ausgewogene Lichtqualität bietet.

Mit der Struktur einer Doppelhelix und einer Ausgestaltung und Beleuchtung, die zugunsten beeindruckender Blickbeziehungen jedwede Ablenkung von der Kernaussage der Architektur ausschließt, bietet das Advanced Training Center eine völlig neue Raumerfahrung. Und für das Spitzenforschungsinstitut European Molecular Biology Laboratory könnte es keine architektonische Struktur geben, die identitätsstiftender ist als die Versinnbildlichung der DNA.




 
 

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