30. April 2026

Präzises Licht zum Schutz des Nachthimmels

ewo entwickelt eine Sonderleuchte für die Gemeinde Scuol im Schweizerischen Nationalpark - Das Unterengadin gehört zu den dunkelsten Regionen Mitteleuropas. Für die Gemeinde Scuol, die sich über 438 Quadratkilometer erstreckt und an den Schweizerischen Nationalpark grenzt, ist diese Dunkelheit eine schützenswerte Eigenschaft.

Beleuchtung vor der Sanierung [Bild: Inga Marty/ Reto Marty]

Beleuchtung nach der Sanierung [Bild: Inga Marty/ Reto Marty]

Beleuchtung vor der Sanierung [Bild: Inga Marty/ Reto Marty]

Beleuchtung nach der Sanierung [Bild: Inga Marty/ Reto Marty]

Beleuchtung vor der Sanierung [Bild: Inga Marty/ Reto Marty]

Beleuchtung nach der Sanierung [Bild: Inga Marty/ Reto Marty]

Sonderleuchte CLER, ewoIndividual [Bild: Inga Marty/ Reto Marty]

Sonderleuchte CLER, ewoIndividual [Bild: Reto Marty]

Das Lichtplanungsbüro nachtaktiv GmbH entwickelte einen Plan Lumière, der bessere Orientierung für Passanten ermöglicht und zugleich den Nachthimmel schützt. Als Pilotprojekt diente das historische Dorf Ardez. Die Sonderleuchte CLER entwickelte ewo im Rahmen von ewolndividual nach Vorgaben des Lichtplaners Reto Marty. 2025 zeichnete die Schweizer Lichtgesellschaft SLG das Projekt im Rahmen des Prix Lumière, dem wichtigsten Schweizer Lichtpreis, mit einer Anerkennung aus.



Dunkelheit als planerisches Konzept 
Die Gemeinde Scuol besteht aus den sechs Dörfern Ardez, Ftan, Guarda, Scuol, Sent und Tarasp, die sich 2015 zur nun flächengrößten Gemeinde in der Schweiz zusammengeschlossen haben. Weniger als ein Prozent der Gemeindefläche ist Siedlungsfläche. Der Rest ist Gebirgslandschaft, Weideland und bildet große Teile des Schweizerischen Nationalparks, dem ältesten Nationalpark der Alpen. Der Nachthimmel über dem Unterengadin erreicht Helligkeitswerte, die Astronomen als nahezu natürliche Dunkelheit einstufen. Die Milchstraße ist dort mit bloßem Auge sichtbar, was in Mitteleuropa selten geworden ist.

Der Plan Lumière, den Reto Marty für Scuol entwickelte, folgt einer konsequenten Philosophie: Licht nur dort, wo es gebraucht wird. Dynamische Steuerung über die Nachtstunden. Minimale Intensität. Präzise Lichtlenkung auf Wege und Straßen, die für Menschen bestimmt sind. Dieser Ansatz harmoniert optimal mit dem ewo-Leitprinzip "empowering wellbeing outdoors".

Ardez als Pilotprojekt - Neues Licht in historischem Kontext 
Das Dorf Ardez wurde als Pilotprojekt gewählt. Seine Bausubstanz mit ihren engen, verwinkelten Gassen sowie Engadinerhäusern aus Bruchsteinmauerwerk mit Sgraffiti-Fassaden stammt aus dem 17. Jahrhundert und steht unter Denkmalschutz. Die historische Substanz des Orts bringt diverse spezifische Herausforderungen mit sich. Es existiert keine eigenständige Netzinfrastruktur für die öffentliche Beleuchtung. Die Lichtpunkte hängen durchweg an privaten Gebäuden, deren Eigentümer Veränderungen zustimmen müssen. Montagehöhen variieren zwischen drei und zehn Metern. In das jahrhundertealte Mauerwerk neue Befestigungspunkte zu setzen ist ausgeschlossen. Reto Marty entwickelte gemeinsam mit ewo ein Leuchtenkonzept, das diesen besonderen Bedingungen gerecht wird.

Sonderleuchte CLER - Ein modulares Konzept für viele Applikationen 
Die CLER ist eine projektspezifische Leuchte, entwickelt im Rahmen von ewolndividual. Ihre Silhouette ist zeitlos und fügt sich selbstverständlich in den denkmalgeschützten Ortscharakter ein. Die konische Bauform der Leuchte ist funktional geprägt. Sie hält die Schneelast gering, ein wichtiges Kriterium für einen Ort auf über 1.200 Metern Meereshöhe.
Drei Montagevarianten decken alle baulichen Situationen in Ardez ab: Seilaufhängung für die Gassen, Wandausleger an den Hausfassaden, Mastaufsatz für freistehende Standorte. Alle Varianten teilen dieselbe Leuchtenform. Das Ortsbild bleibt einheitlich.

Die lichttechnische Differenzierung liegt im Inneren. ewo stattete CLER mit einem breiten Spektrum an verschiedenen Linsen aus, die je nach Situation gewählt wurden: Es gibt optimal passende Lichtverteilungen für Geh- und Fahrradwege, für Straßen, für Plätze und großflächige Bereiche, sowie für die Seilleuchten über den Gassen. Viele dieser Linsen sind mit einem Rear Backlight Shield (RBS) ausgestattet. Dieses für den Betrachter unsichtbare Abschirmelement wird direkt auf den Linsen montiert und verhindert, dass Licht nach hinten auf Fassaden und in Fenster abgestrahlt wird. In einer Region, die Lichtemissionen als ökologisches Problem begreift, ist das ein zentrales Kriterium.

Für die Seilleuchten wurde die ewolightTile-Technologie eingesetzt, eine patentierte Flächenoptik, die homogene, blendungsarme Ausleuchtung erzeugt und einzelne LED-Punkte optisch verschwinden lässt. Diese Leuchten sind auch mit Tunable White ausgestattet. Über eine DALI Steuerung lässt sich die Farbtemperatur zwischen 2200 und 6500 Kelvin einstellen. Im Ortskern arbeitet die Anlage mit 2.700 Kelvin, am Ortsrand mit 2200 Kelvin.

Steuerung und Einsparung 
Zusätzlich zu den präzisen Optiken ist der Einsatz eines Lichtsteuerungssystems zur Reduktion von Energieverbrauch und ungewollten Lichtemissionen wesentlich für die Planung. Alle Leuchten sind mit einer Zhaga Book 18-Schnittstelle und DALI-Interface ausgestattet. Bewegungssensoren regeln die Lichtmenge präsenzabhängig. Ab 22 Uhr erfolgt eine erste Nachtabsenkung, ab 24 Uhr eine weitere. Außerhalb des Ortskerns schaltet sich die Beleuchtung nur bei erkannter Bewegung ein. Das Ergebnis sind mindestens 75 Prozent Energieeinsparung gegenüber der früheren Natriumdampf-Beleuchtung. Jährlich spart die Gemeinde rund 6.800 Schweizer Franken an Stromkosten und weitere 3.800 Franken an Unterhaltskosten.

Was die neue Beleuchtung bewirkt 
Luftaufnahmen aus den Jahren 2025 im neuen und 2023 noch im alten Zustand machen den Unterschied sichtbar. Das Streulicht der alten Natriumdampflampen, das Straßen und Plätze, Fassaden und die Umgebung gleichmäßig aufgehellt hatte, ist deutlich reduziert. Gassen und Wege sind gleichmäßiger und normgerecht ausgeleuchtet. Das Licht trifft nur die Flächen, für die es gedacht ist.

Die neue Lichtatmosphäre wurde von den Anwohnern als starke Veränderung empfunden und war erklärungsbedürftig. Das fehlende Streulicht wurde subjektiv als Dunkelheit wahrgenommen, obwohl die Gehwege heller beleuchtet sind als zuvor. Reto Marty hat diesen Prozess begleitet. Mit Büro und Wohnsitz in Scuol kennt er die Gemeinde und ihre Bewohner. Der direkte Dialog vor Ort, das Erklären des Konzepts im Gespräch mit den Anwohnern, war nach seiner Einschätzung gleichrangig mit der technischen Planung.

Anerkennung und Fortsetzung 
Die Schweizer Lichtgesellschaft SLG zeichnete das Projekt 2025 mit dem Anerkennungspreis Prix Lumière aus und bestätigte damit die Planungsqualität und die besondere Haltung des Projekts gegenüber Nacht und Natur. Die positiven Erfahrungen aus dem Pilotprojekt in Ardez führen nun dazu, dass die weiteren Ortsteile Stück für Stück dem Konzept folgend ebenfalls neu beleuchtet werden.




 
 

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