28. Januar 2019

Campus Fachhochschule Nordwestschweiz - Ex Architectura Lux

Zurückhaltung vor der fulminanten Architektur war bei allen Beleuchtungslösungen im Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz auf dem Polyfeld in Muttenz oberstes Gebot. Trotz der unterschiedlichsten Anforderungen seitens der diversen Raumfunktionen ist es den Planern der Reflexion AG vorbildlich gelungen, sich auf wenige Leuchtentypen zu beschränken.

Der zentrale Raum des 64 Meter hohen Neubaus für die Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz erhält Tageslicht aus zwei Atrien [Bild: Reflexion AG]

Zwei rampenartige, überdurchschnittlich groß dimensionierte geschwungene Treppenaufgänge erschließen die drei Geschosse vom Erdgeschoss bis zur erhaben Bibliothek [Bild: Reflexion AG]

Im Restaurant im Erdgeschoss nimmt eine zusätzliche dekorative Ebene kleine, diffuse, warmweiss strahlende Pendelleuchten mit Glaskolben auf. Die betonte Kabelführung an der Decke wird zu einem grafischen Element [Bild: Reflexion AG]

Die Akustikdecke mit versetztem Raster schliesst die multifunktional nutzbare Aula nach oben ab. Für die individuelle Deckenkonstruktion wurden formal zurückhaltende Downlights in Messinggehäusen mit Opalglaskolben zwischen die Akustikelemente gesetzt [Bild: Reflexion AG]

Dezente Lichtlinien bringen das tiefe Blau der Bibliotheksdecke intensiv zum Leuchten. Im Wechsel zwischen diffus-leuchtend und direktstrahlend angeordnet, verleihen die in jede Betonrippe integrierten Leuchten dem Raum Dramaturgie [Bild: Reflexion AG]

Der seitliche Lichtaustritt der runden, diffus strahlenden Decken-Halbeinbauleuchten in den Hörsälen erzeugt eine gleichmässige und blendfreie Beleuchtung. Daraus entsteht eine grafische Stärke, die den Raum auflockert und kontrastreich inszeniert [Bild: Reflexion AG]

Das diffuse Licht bietet ein besonders homogenes, blendungsminimiertes Lese- und Arbeitslicht [Bild: Reflexion AG]

Nach Eintreten in das 65 Meter hohe 14-geschossige Gebäude, das auf 34.500 Quadratmetern etwa 4.500 Menschen aus fünf Fakultäten Raum bietet, kann man nur staunen, wie sich die Massigkeit des Kubus im Innenraum völlig aufzulösen scheint. Grazil wirkende, warm glimmendes Licht spendende Ringleuchten im Eingangsbereich tragen zu diesem Eindruck bei, der bauseits durch zwei gebäudehohe Atrien erweckt wird.



Diese bringen reichlich, im Lichtdom der Reflexion AG schon in der frühen Konzeptphase wohl berechnetes Tageslicht in den zentralen Raum mit seinen zwei rampenartigen, überdurchschnittlich groß dimensionierten geschwungenen Treppenaufgängen, welche die drei Geschosse vom Erdgeschoss bis zur erhaben Bibliothek erschließen. Auch die an der Haupt- und Rückfassade positionierten Galerien und Flure, hinter denen sich die Unterrichtsräume befinden, und der achtgeschossige Mittelreiter mit Büros und Laboren, der ab dem vierten Obergeschoss seitlich des Treppenaufgangs schwebt, profitieren von dem hohen Tageslichteintrag.

Beleuchtungslösungen folgen konsequent der Architektur
Ergänzt, bzw. in den dunklen Stunden ersetzt, wird das natürliche Licht von dezent gesetztem Kunstlicht. Da der für sich sprechenden einmaligen Architektur des Zürcher Büros pool Architekten nichts hinzuzufügen ist, verzichteten die Lichtplaner auf jegliches dekorative Element. Vielmehr kamen Beleuchtungslösungen zum Einsatz, die in der Architektur vollkommen aufgehen. So sind die konstruktiv für das erste und zweite Obergeschoss eingesetzten Unterzüge mit Vouten versehen, welche die Deckenuntersichten mit warmem Licht erhellen. Eine Profilleuchte mit engstrahlender Optik akzentuiert den Mittelreiter beidseitig über seine gesamte Höhe mit linearem Streiflicht. In die Handläufe der Treppen wurden LED-Bänder integriert, welche die Aufgänge mit sanftem Streiflicht, das sich in den Brüstungen der Galerien fortsetzt, inszenieren und den Nutzern gleichzeitig Sicherheit spenden. In den höheren Geschossen ohne Unterzüge highlighten eingebaute Lichtlinien die Lifte.

Die Hörsäle und Seminarräume befinden sich im ersten und zweiten Obergeschoss. Während die tragende Betonstruktur überall sonst im Gebäude sichtbar belassen wurde, sind diese Räume – auch aus raumakustischen Gründen – mit Holz verkleidet. Manche von ihnen verfügen über Tageslichtöffnungen; ihr additives Kunstlicht beziehen sie aus gerastert angeordneten Deckeneinbau-Downlights. Für die Hörsäle ohne Tageslichteintrag wählten die Planer runde, diffus strahlende Decken-Halbeinbauleuchten aus eigener Produktentwicklung. Ein seitlicher Lichtaustritt aus der mikroprismatischen Abdeckung erzeugt gleichmäßige Auren, die dem Deckenbild Dynamik verleihen, den Raum auflockern und den Kontrast zwischen dem kalten Sichtbeton der Decke und dem warmen Ton des Holzes inszenieren. So entstehen Räume zum Lernen mit Wohlfühlatmosphäre.

Das Lichtdesign transformiert rohe Betondecken zu ästhetischen Lichtebenen
Über die große Treppenanlage gelangt man weiter in das dritte Obergeschoss, welches komplett der Bibliothek vorbehalten ist. Unversehens fällt der Blick beim Heraufschreiten auf das tiefe Blau der Decke, das von dezenten Lichtlinien fast mystisch zum Leuchten gebracht wird. Die Lichtlinien sind eine Eigenentwicklung von Reflexion, denn bei Planungsbeginn vor neun Jahren gab es im LED-Segment kein Standardprodukt, welches die hohen Qualitätsmerkmale dieser Leuchte hinsichtlich Design, Lichtqualität und -komfort sowie Flexibilität erfüllte. Träger ist ein schwarzes U-Profil, das in der diffus leuchtenden Variante an den Seiten zusätzlichen Lichtaustritt ermöglicht und damit eine weiche Lichtatmosphäre erzeugt. In der Bibliothek ist es im Wechsel mit einer direkt strahlenden Version im Einsatz, die dem Raum Dramaturgie verleiht und Spielraum für Szenarien ermöglicht. Die modularen integrativen Linearleuchten sind zwischen jeder zweiten Rippe der Betondecke montiert bilden somit keine eigene Ebene. Zusätzliches Licht spenden die gleichen Ringleuchten, die sich auch im Eingangsbereich des Erdgeschosses finden. Mit dieser Kombination aus minimal dekorativem und sehr technischem Licht schafft die Bibliothek eine Verbindung zwischen der dekorativen Willkommensebene des Parterres und der rein funktionalen Beleuchtung der neun Regelgeschosse.

Diese neun im vierten Obergeschoss beginnenden Etagen nehmen weitere Seminarräume, Büros und Labore auf, die durchgängig mit der diffusen modularen Linearleuchte von Reflexion beleuchtet sind. Sie passt sich nicht nur den Anforderungen der unterschiedlichen Tätigkeiten und Tageslichteinträge, sondern auch den architektonischen Gegebenheiten an. Mit fünf verschiedenen Modullängen integriert sie sich konsequent in alle räumlichen Abmessungen. In jeder Rippe der Betondecke montiert, erwecken die Leuchten wiederum den Eindruck einer einheitlichen Ebene. Das diffuse Licht verringert Kontraste, vermeidet eine Selbstverschattung der Personen und hellt die Betondecken mit seinem seitlichen Austritt angenehm auf. Es bietet ein besonders homogenes, blendungsminimiertes Lese- und Arbeitslicht.

Das Licht zeigt Wirkung – nicht die Leuchte
Im Neubau der FHNW ist es vorbildlich gelungen, sich trotz der unterschiedlichsten Anforderungen auf wenige Leuchtentypen zu beschränken. Minimal dekorative Elemente finden sich dort, wo repräsentative Bereiche mit warmem Licht betont werden sollen. In allen anderen Bereichen ist technisches Licht derart mit der Architektur verschmolzen, dass die Leuchte selbst in den Hintergrund tritt und nur ihr Licht wirken lässt. Nach umfassenden Messungen der Tageslichtquotienten im Gebäude sowie Berechnungen am Modell im Lichtdom der Reflexion AG wird das Kunstlicht additiv zum Tageslicht eingesetzt. Daraus ergeben sich energetische Einsparungen, die sich in das Portfolio vieler weiterer Faktoren für die intendierte Nachhaltigkeit des Bauwerks mit geringem ökologischen Fußabdruck reihen.




 
 

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